Wahrscheinlich erinnerst du dich noch daran, wie es für dich war, als du das erste Mal deine Periode hattest. Ob du wusstest, was gerade passiert, ob du Menstruationsprodukte zur Hand hattest und ob sich jemand darum gekümmert hat, dich zu informieren – oder ob all das eben gefehlt hat – all das hat deine Vorstellung davon geprägt, was es bedeutet, die Periode zu haben.
Denn die erste Erfahrung bestimmt in der Regel dieses Abenteuer, das dich jeden Monat begleiten wird – über fast 40 Jahre deines Lebens hinweg. Der Blickwinkel, aus dem du die Menstruation betrachtest, wurde damals in der Pubertät festgelegt. Es macht allerdings einen enormen Unterschied, ob einem gesagt wird, die Periode sei etwas völlig Natürliches, oder ob sie als etwas „Unreines“ dargestellt wird. Denn während Erstere die zutreffende Aussage ist, bleibt die Menstruation in vielen Gesellschaften nach wie vor ein Tabuthema – verbunden mit Stigma und Scham für viele menstruierende Menschen. Und genau das führt langfristig zum Phänomen der Periodenarmut.
Der Begriff „Periodenarmut“ ist relativ neu, doch bei Protesten und in Debatten ist das Thema schon seit Jahrzehnten präsent – seit den Anfängen des feministischen Aktivismus im Zusammenhang mit Geschlechterungleichheit im Bildungsbereich.
Periodenarmut ist ein aktuelles Problem in der EU und weit darüber hinaus. Sie bezeichnet den fehlenden Zugang zu Hygieneprodukten und Bildung sowie das Fehlen sanitärer Einrichtungen bzw. deren mangelnde Instandhaltung.
Schätzungen zufolge kann sich derzeit eines von zehn Mädchen keine Menstruationsprodukte leisten.
Allein in Rumänien menstruieren 4,8 Millionen Menschen. 700.000 davon sind Jugendliche. Ein großer Teil kann sich Menstruationsprodukte nicht monatlich leisten, und für jede vierte Person war es während der Pandemie äußerst schwierig, mit der Periode umzugehen.
In den letzten Jahren haben mehrere europäische Staaten bereits Gesetze erlassen, die Menstruationsprodukte kostenlos zur Verfügung stellen. Andere hingegen betrachten sie nicht als Grundbedarfsartikel, sondern besteuern sie wie Luxusgüter. In diesem Zusammenhang hat das Europäische Parlament alle Mitgliedstaaten aufgefordert, die Steuer auf Menstruationsprodukte abzuschaffen.
Noch verabschieden nicht alle Länder solche Gesetze, doch es gibt Grund zum Optimismus: Nur durch Bildung und Aufklärung wird sich die Situation für Menschen verbessern, die Periodenarmut erlebt haben – denn alles beginnt mit Stigma und Scham. Und wenn das Stigma nicht länger mit dem natürlichen Prozess der Menstruation verknüpft ist, profitieren wir alle davon. Vor allem dort, wo dieses Stigma häufig zu extremen Fällen führt, wie in manchen Teilen der Welt, in denen menstruierende Frauen verstoßen und zur Isolation gezwungen werden – oft unter Lebensgefahr.
Und leider gibt es noch immer Gemeinschaften, die Jungen gegenüber Mädchen bevorzugen und ihnen mehr Bildungschancen einräumen. Die Tabus rund um die Menstruation verschärfen die Lage zusätzlich: Sie führen zu Fehlzeiten, und viele Mädchen brechen die Schule schlichtweg ab.
Periodenarmut ist ein komplexes Phänomen. Um es zu bekämpfen, braucht es möglichst viele Initiativen – sowohl vom Staat als auch von der Gesellschaft. Es gibt jedoch bereits Programme und NGOs, die sich gegen Periodenarmut engagieren. Iele Sânziene, der Verein Pe Stop und die Initiative „Binden für alle“ sind nur zwei Beispiele – doch in Rumänien sind noch weitaus größere Anstrengungen nötig.
Zum Glück kann individueller Aktivismus eine der wirkungsvollsten Methoden sein, um Periodenarmut zu bekämpfen und gleichzeitig positive Veränderungen für den Umweltschutz zu bewirken. Du fragst dich, wie?
Es geht darum, mit kleinen Schritten anzufangen: offen über die Menstruation sprechen, dazulernen und die eigene Gesundheit schützen.
Was können Forschende, Institutionen, Gesundheitsdienstleister und nicht zuletzt wir selbst tun, um das Stigma rund um die Menstruation abzubauen und Periodenarmut zu bekämpfen? Falls du nicht weißt, wo du anfangen sollst – hier ein paar Anregungen.
Gespräche über Zyklus und Menstruation sollten selbstverständlich und natürlich sein. Das ist wohl der einfachste und wichtigste Schritt, um das Gefühl von Scham und Stigma zu verringern, das manche Menschen empfinden – ganz gleich, aus welchem Teil der Welt sie kommen. Und nicht nur das: Auch Jungen müssen gleichermaßen über die Menstruation aufgeklärt werden, damit sich Menstruationstabus nicht weiter fortsetzen.
Medizinisches Fachpersonal und Gesundheitsdienstleister erforschen kontinuierlich neue Wege, um Periodenarmut zu verringern. Doch es bleiben Probleme, die angegangen werden müssen: Der Mangel an Produkten und sanitären Einrichtungen betrifft weiterhin eine erhebliche Zahl menstruierender Menschen.
Der fehlende Zugang zu geeigneten, biologischen Menstruationsprodukten gefährdet die Gesundheit vieler Menschen. Besonders Institutionen und medizinische Einrichtungen sollten über die Bedeutung von Bio-Produkten und die Notwendigkeit eines entsprechenden Zugangs aufklären – um Gesundheitsrisiken zu senken und die Umwelt zu schützen.
Endlich zeigen die jüngsten Bemühungen um Menstruationsgerechtigkeit Wirkung, wie im Fall Schottlands: Dort müssen in allen öffentlichen Toiletten (auch in Restaurants und Pubs) kostenlose Menstruationsprodukte bereitgestellt werden – zusätzlich zum Angebot in Schulen und Universitäten. Gleichzeitig hat Großbritannien die zusätzliche Steuer auf Menstruationsprodukte abgeschafft. Doch es bleibt viel zu tun: Es braucht politische Maßnahmen, die Menstruationsprodukte zugänglicher und sicherer machen.

Wenn es um das Bewusstsein dafür geht, welchen Einfluss jede*r Einzelne von uns als Konsument*in auf Umwelt und Natur hat, haben wir noch viel zu lernen. Und das gilt umso mehr, da Menstruationsprodukte nicht nur direkte Auswirkungen auf die Natur, sondern auch auf unseren Körper haben. Die Vagina gehört zu den aufnahmefähigsten Bereichen des Körpers – was wir während der Periode verwenden, betrifft uns also unmittelbar. Hier sind 5 Gründe, warum du Produkte aus Bio-Baumwolle wählen solltest:
Wenn du das Thema Periodenarmut offen ansprichst, kannst du etwas verändern. Und zum Glück gibt es auch in Rumänien Bewegungen, Programme und Petitionen, die konkrete Lösungen fördern. Immer mehr Organisationen engagieren sich heute in der Menstruationsbildung (Verein Pe Stop, Verein Iele-Sânziene, Verein SEXUL vs BARZA, Zentrum FILIA, Verein E-Romnja, Verein COMMA).
„Der Verein Iele Sânziene bringt jungen Menschen aus vulnerablen Gemeinschaften bei, was die Menstruation ist, wie sie entsteht und wie Tampons und Binden verwendet werden. In einem Land wie Rumänien, in dem 415.000 Jugendliche von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind, müssen die jungen Frauen, die Workshops zu Menstruation und Pubertät leiten, gleichzeitig gegen das Stigma ankämpfen, das die Periode umgibt, und gegen die Mythen, die damit einhergehen. Mythen, die künftige Frauen sogar in Gefahr bringen könnten.“ (Quelle)
Denn du wünschst dir sicher eine Zukunft ohne Stigma und ohne Tabus rund um völlig natürliche Vorgänge des menschlichen Körpers.
Und auch wenn es Fortschritte gibt, liegt noch ein ziemlich langer Weg vor uns. Unser Rat lautet daher: Fang mit kleinen Schritten an. Sprich das Thema noch heute an. Denn alles, was du tust – und sei es noch so klein – hat Einfluss auf die Welt, in der du lebst.