Das Turner-Syndrom, auch als kongenitale Ovarialhypoplasie bezeichnet, ist eine seltene genetische Erkrankung, die Frauen betrifft.
Mädchen, die mit einem Turner-Syndrom geboren werden, können bereits im Kindesalter mit Störungen der körperlichen und hormonellen Entwicklung konfrontiert sein – dennoch wird die Diagnose in vielen Fällen nicht sofort gestellt. Eine Fallstudie aus dem Jahr 2023 beschreibt die Situation einer Patientin, bei der das Turner-Syndrom erst im Alter von 61 Jahren diagnostiziert wurde.
Lies weiter, um zu erfahren, welche Anzeichen für die Erkrankung sprechen, mit welchen medizinischen Problemen sie einhergeht und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Das Turner-Syndrom ist eine seltene genetische Erkrankung, die ausschließlich weibliche Personen betrifft – und zwar von Geburt an. Es ist die häufigste Anomalie der Geschlechtschromosomen und dadurch gekennzeichnet, dass eines dieser Chromosomen teilweise oder vollständig fehlt.
Jedes Kind wird mit einem Chromosomenpaar geboren. Normalerweise kommen Jungen mit einem X- und einem Y-Chromosom zur Welt, Mädchen mit zwei X-Chromosomen. Bei etwa 1 von 2.000 bis 2.500 neugeborenen Mädchen fehlt jedoch eines der X-Chromosomen teilweise oder vollständig – daher stammt auch die Bezeichnung Monosomie X für das Turner-Syndrom.
Die Diagnose wird meist spät gestellt, im Kindes- oder Jugendalter, und nur selten unmittelbar nach der Geburt. Ein Verdacht entsteht in der Regel dann, wenn die Chromosomenanomalie die körperliche und reproduktive Entwicklung des Mädchens beeinträchtigt.
Enthalten alle Körperzellen diesen genetischen Fehler, liegt die vollständige Form des Turner-Syndroms vor. Viele Betroffene entwickeln schon im Kindesalter deutlichere Symptome, was eine schnellere Diagnosestellung ermöglicht.
Es gibt jedoch auch Fälle, in denen nur ein Teil der Zellen betroffen ist. Bei der partiellen Form des Syndroms besitzt ein Teil der Zellen normale Chromosomen, während ein anderer Teil Anomalien wie den teilweisen oder vollständigen Verlust des X-Chromosoms aufweist. Diese Mischung von Zellen wird als Mosaizismus bezeichnet und kann sich in milderen oder weniger auffälligen Symptomen äußern, die von Person zu Person stark variieren und meist erst später erkannt werden.
Die Intelligenz der Patientinnen ist in der Regel normal, doch es treten körperliche Symptome auf: Sie sind kleiner von Statur, können einen kürzeren und breiteren Hals haben, einen großen Abstand zwischen den Brustwarzen, durch Flüssigkeitsansammlungen geschwollene Hände und Füße, eine nach außen gerichtete Fehlstellung des Unterarms oder Schwierigkeiten, räumliche Verhältnisse zwischen Objekten einzuschätzen – zum Beispiel beim Autofahren.

Die Forschung weiß bis heute nicht, warum bei einem neugeborenen Mädchen eines der X-Chromosomen fehlt oder unvollständig ist. Fest steht jedoch: Diese Veränderung ist nicht darauf zurückzuführen, dass die Eltern etwas falsch gemacht oder hätten verhindern können – sie hat nichts mit deren Lebensstil oder der Familiengeschichte zu tun. Obwohl es sich um eine genetische Erkrankung handelt, wird sie nur äußerst selten vererbt.
Tatsächlich entsteht die Anomalie spontan – entweder durch eine Veränderung des X-Chromosoms während der Entwicklung des Fötus oder während der Zellteilung bei der Bildung der Eizelle oder des Spermiums, wenn das genetische Material nicht korrekt aufgeteilt wird. Eines der X-Chromosomen wird von einem Elternteil nicht ordnungsgemäß weitergegeben, und es entsteht die sogenannte Monosomie X – ein Zustand, bei dem die Zellen nur ein X-Chromosom anstelle von zwei besitzen.
Es gibt auch Fälle, in denen nicht alle Zellen betroffen sind. Beim Mosaik-Turner-Syndrom weisen einige Zellen eine normale Struktur auf und nur ein Teil zeigt diese Veränderung, wodurch die Symptome weniger deutlich ausfallen können.
Zudem beschränken sich die Chromosomenveränderungen nicht immer auf das vollständige Fehlen eines X-Chromosoms. Manchmal ist es vorhanden, hat aber eine abnorme Struktur. Dabei handelt es sich um Veränderungen wie:
All diese Anomalien reduzieren oder verändern die genetische Information, die für das normale Funktionieren des Organismus erforderlich ist. Betroffen sind insbesondere Wachstums- und reproduktive Entwicklungsprozesse – und so kommt es zur Ausprägung des Turner-Syndroms.
Um den oben begonnenen Gedanken weiterzuführen: Es gibt mehrere Formen des Turner-Syndroms. Zwei Frauen mit derselben Erkrankung können völlig unterschiedliche Symptome zeigen. Die Anzeichen, der Schweregrad der Symptome und der Zeitpunkt der Diagnose hängen maßgeblich von der genetischen Form der Erkrankung ab.
Bei Patientinnen mit der klassischen Form, dem Turner-Syndrom mit Karyotyp 45,X bzw. der vollständigen Monosomie X, besitzen alle Körperzellen nur ein X-Chromosom anstelle von zwei. Die Symptome treten meist bereits im Kindesalter auf und sind deutlicher ausgeprägt, sodass Ärzte die Diagnose früher stellen können.
Beim Mosaik-Turner-Syndrom können die Symptome subtiler sein, da nur ein Teil der Zellen betroffen ist und die übrigen normale X-Chromosomen aufweisen. In der Praxis wird die Diagnose daher häufig erst im Jugend- oder Erwachsenenalter gestellt.
Darüber hinaus existiert die Form des Turner-Syndroms, die durch strukturelle Anomalien des X-Chromosoms verursacht wird. Bei Patientinnen mit dieser Variante sind beide X-Chromosomen vorhanden, doch eines hat eine veränderte Struktur. Zum Beispiel fehlen Fragmente, bestimmte Abschnitte sind verdoppelt oder das Chromosom hat eine Ringform.
Jede Form bestimmt, wie die Erkrankung verlaufen kann – und damit auch, wie schnell eine Diagnose gestellt wird. Die vollständige Form ist meist leichter zu erkennen, während Mosaik- oder strukturelle Formen subtiler sein können, dennoch aber Körpergröße, Ovarialfunktion und allgemeine Gesundheit beeinflussen.
Das Turner-Syndrom kann sich je nach Alter und Entwicklungsphase unterschiedlich äußern. In den folgenden Abschnitten wirst du sehen, dass manche Anzeichen bereits vorgeburtlich erkennbar sind, während andere erst in der Kindheit, in der Pubertät oder im Erwachsenenalter sichtbar werden.
Die Fachliteratur zeigt, dass das Turner-Syndrom mit Karyotyp 45,X – also wenn eine Person nur ein X-Chromosom anstelle von zwei besitzt – in etwa 1–2 % aller Schwangerschaften auftritt.
Mithilfe detaillierter Ultraschalluntersuchungen können Ärzte schon vorgeburtlich bestimmte charakteristische Anzeichen feststellen:
Die meisten dieser Schwangerschaften werden nicht bis zur Geburt fortgeführt. Etwa 10 % gehen im ersten Trimester verloren, 1 % endet in einer Totgeburt, und über 99 % der Feten mit diesem Karyotyp überleben die Schwangerschaft nicht bis zur 28. Woche.
Das erklärt, weshalb Mädchen und Frauen, die mit dem Turner-Syndrom leben, meist eine Form des Mosaizismus aufweisen – das heißt, nur ein Teil ihrer Zellen zeigt die Chromosomenanomalie.
Das Turner-Syndrom wird nur selten direkt bei der Geburt diagnostiziert. Zu den körperlichen Merkmalen, die auf diese Erkrankung hindeuten können, gehören jedoch:
So nennt beispielsweise ein 2021 veröffentlichter Fallbericht die Schwellung beider Beine nach der Geburt, den Hals mit Hautfalten und einen kleinen Unterkiefer als jene Hinweise, die zur Diagnose eines Turner-Syndroms bei einem gerade 8 Tage alten Neugeborenen führten.
Mit dem Wachstum des Kindes können immer deutlichere Anzeichen des Turner-Syndroms auftreten, etwa:
Langsames Wachstum und Kleinwüchsigkeit im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern sind oft das erste Anzeichen, das weiterführende Untersuchungen nach sich zieht. In einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2012 schildert Dr. Louise Newson den Fall einer Mutter, die sich Sorgen über die geringe Körpergröße ihrer 5-jährigen Tochter im Vergleich zu anderen Kindern machte. Zwei Jahre später wurde bei der Patientin – nach Tests, die genau aufgrund dieser anhaltenden Sorge durchgeführt wurden – das Turner-Syndrom diagnostiziert.
In der Pubertät betreffen die typischen Symptome des Turner-Syndroms vor allem die Ovarialfunktion und die sexuelle Entwicklung. Betroffene können folgende Beschwerden haben:
Ein klassischer, in der Pubertät entdeckter Fall des Turner-Syndroms ist der einer 16-jährigen Patientin, die sich wegen primärer Amenorrhoe an ihren Arzt wandte. Bei der klinischen Untersuchung zeigten sich Kleinwüchsigkeit, Hautfalten im Augenwinkel (Epikanthus) und kurze Finger, insbesondere der vierte Finger. Die Patientin wurde zur Chromosomenanalyse überwiesen, die einen Karyotyp 45,X ergab und die Diagnose bestätigte.
Du fragst dich, wie du die Erscheinungsformen des Turner-Syndroms erkennen kannst? Die Wahrheit ist: Jede Patientin erlebt die Erkrankung anders, und nicht alle Betroffenen zeigen die gleichen Symptome. Zu den häufigsten körperlichen Merkmalen zählen jedoch:
In der Praxis geht das Turner-Syndrom neben den körperlichen Merkmalen häufig mit weiteren medizinischen Problemen einher, die den allgemeinen Gesundheitszustand der Patientinnen beeinträchtigen:
Lern- und kognitive Entwicklungsschwierigkeiten, insbesondere im mathematischen und räumlichen Bereich

Menschen mit Turner-Syndrom haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und können bereits in jungen Jahren an arterieller Hypertonie (erhöhtem Blutdruck) leiden.
Hormonelle Ungleichgewichte können darüber hinaus den Blutzucker und den Stoffwechsel beeinflussen und zu Diabetes sowie Stoffwechselstörungen führen, während ein Hormonmangel die Knochendichte beeinträchtigen und das Osteoporoserisiko erhöhen kann. Zudem können hormonelle Veränderungen und der Stoffwechsel zu einer Gewichtszunahme beitragen und das Risiko für Fettleibigkeit steigern.
Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis gehören ebenfalls zu den Komplikationen, die bei Patientinnen mit Turner-Syndrom auftreten können.
Wie du aus dem Abschnitt über die Symptome vermutlich schon herausgelesen hast, kann das Turner-Syndrom entweder vor der Geburt oder danach diagnostiziert werden – abhängig von den durchgeführten Untersuchungen und den sichtbaren Anzeichen.
Je früher es erkannt wird, desto früher kann die erforderliche Behandlung eingeleitet werden, um den Schweregrad der Symptome zu verringern.
Während der Schwangerschaft können Ärzte bestimmte Anzeichen der Erkrankung durch eine Kombination aus genetischen Tests und Ultraschalluntersuchungen erkennen.
Das pränatale genetische Screening (nicht-invasive genetische Tests) ermöglicht die Analyse der fetalen DNA im mütterlichen Blut und kann feststellen, ob Chromosomenanomalien vorliegen. Auffälligkeiten können außerdem im fetalen Ultraschall erkannt werden, etwa um Ödeme oder Herzfehler aufzuspüren.
Bestätigt wird die pränatale Diagnose durch eine Amniozentese. Dabei entnimmt der Arzt Fruchtwasser, das Zellen des Fötus enthält; diese werden analysiert, um die Chromosomen zu überprüfen. Eine weitere Methode ist die Chorionzottenbiopsie, bei der ein kleines Stück der Plazenta entnommen wird, um die Chromosomen zu untersuchen und mögliche Anomalien festzustellen.
Nach der Geburt basiert die Diagnose auf klinischen Beobachtungen und genetischen Tests.
Kleinwüchsigkeit, ein breiter Hals, ein Brustkorb mit weit auseinanderstehenden Brustwarzen und weitere verdächtige körperliche Merkmale werden im Rahmen der klinischen Untersuchung beurteilt. Anschließend folgt die Karyotypanalyse zur Bestätigung der Monosomie X sowie genetische Tests zur Erkennung von Mosaikformen.
Je nach individueller Situation kann der Arzt zusätzliche kardiologische und nephrologische Untersuchungen empfehlen, um mögliche Begleiterkrankungen zu erkennen und zu überwachen.
Die Behandlung des Turner-Syndroms wird individuell auf die Bedürfnisse jeder Patientin und die genetische Form der Erkrankung abgestimmt. Ihr Ziel ist es, Wachstum und reproduktive Entwicklung zu fördern und zur Bewältigung der begleitenden Komplikationen beizutragen.
Wird das Syndrom früh diagnostiziert, kann die Gabe von Wachstumshormon der Patientin helfen, ihre Körpergröße zu verbessern und sogar eine nahezu normale Endgröße zu erreichen. Die Therapie ist umso wirksamer, je früher sie in der Kindheit beginnt. Größe und Entwicklung werden während der Behandlung kontinuierlich überwacht, um die Dosierung anzupassen und optimale Ergebnisse zu erzielen.
Die Hormontherapie mit Östrogen kann in der Pubertät zum passenden Zeitpunkt begonnen werden, um die Pubertätsentwicklung anzuregen und die reproduktive Entwicklung zu unterstützen.
Die Behandlung mit Östrogen fördert die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale wie Brustwachstum, Schambehaarung und andere bei Jugendlichen normale physiologische Veränderungen. Sie kann zudem zur Vorbeugung von Osteoporose und zur Erhaltung der Knochengesundheit bei erwachsenen Patientinnen beitragen.
Stellt der Arzt Begleiterkrankungen des Turner-Syndroms fest, kann er spezifische Behandlungen empfehlen, um diese zu kontrollieren.
Regelmäßige Kontrollen oder – je nach Fall – chirurgische Eingriffe ermöglichen die Behandlung von Herzfehlern. Es können Therapien zur Kontrolle endokriner Störungen wie der Hypothyreose empfohlen werden, ebenso spezifische Behandlungen für Hör- oder Nierenprobleme und zur Vorbeugung von Komplikationen.
Um Komplikationen vorzubeugen und die Gesundheit langfristig zu schützen, wird Patientinnen mit Turner-Syndrom eine kontinuierliche Überwachung empfohlen.
Wichtig sind regelmäßige kardiologische Kontrollen zur Beurteilung von Blutdruck und Herzfunktion, Kontrollen der endokrinen Funktion durch regelmäßige Tests der Schilddrüsen- und Sexualhormone sowie Messungen der Knochendichte zur Osteoporoseprävention.
Auch die gynäkologische Überwachung ist wichtig, um die reproduktive Gesundheit und die Ovarien im Blick zu behalten.

Viele Frauen mit Turner-Syndrom haben entweder keine Menstruation oder kleine Ovarien, die nicht genügend Sexualhormone produzieren und nur wenige Jahre oder überhaupt nicht funktionieren.
Das Syndrom beeinflusst somit direkt die Ovarialfunktion und die Fortpflanzungsfähigkeit, wobei die Auswirkungen je nach genetischer Form der Erkrankung variieren können.
In den meisten Fällen ist die Fruchtbarkeit zwar eingeschränkt, doch es gibt medizinische Möglichkeiten, die eine Empfängnis unterstützen können.
Unfruchtbarkeit ist beim Turner-Syndrom häufig eine Folge der primären Ovarialinsuffizienz. Die Ovarien produzieren nicht genügend Hormone oder Eizellen, um eine normale Fortpflanzung zu ermöglichen.
Zudem findet bei den meisten Betroffenen mit Turner-Syndrom kein Eisprung statt, was die Chancen auf eine Schwangerschaft erheblich verringert.
Generell haben Patientinnen mit diagnostiziertem Turner-Syndrom entweder keinen Menstruationszyklus oder unregelmäßige Blutungen.
Viele von ihnen suchen mit einer primären Amenorrhoe den Arzt auf, also dem Ausbleiben des Menstruationszyklus ab Beginn der Pubertät. Sie haben oft kleine Ovarien, die nicht genügend der für die Menstruation notwendigen Hormone produzieren und ihre Funktion teilweise oder vollständig verlieren, was zur Ovarialinsuffizienz führt.
In den seltenen Fällen, in denen Patientinnen mit Turner-Syndrom eine Menstruation haben, liegt das daran, dass es sich um die Mosaikform handelt – ein Teil ihrer Zellen ist also normal und ermöglicht die Funktion der Ovarien.
In beiden Fällen kann eine Hormontherapie den Menstruationszyklus auslösen und regulieren und so die reproduktive Entwicklung sowie die menstruelle Gesundheit unterstützen. Auch Intimpflegeprodukte aus reinen Inhaltsstoffen ohne reizende Chemikalien können zu einem möglichst entspannten und komfortablen Menstruationserlebnis beitragen.
Für Frauen, die sich ein Kind wünschen, aber nicht schwanger werden, können Verfahren der assistierten Reproduktion wie die intrauterine Insemination helfen, die biologischen Grenzen der Ovarialinsuffizienz zu überwinden. Die In-vitro-Fertilisation (IVF) etwa kann eine Schwangerschaft mit eigenen (sofern vorhanden) oder gespendeten Eizellen ermöglichen.
Eine weitere häufig genutzte Möglichkeit für Patientinnen, die schwanger werden möchten, ist die Eizellspende, die eine Empfängnis selbst bei fehlender Ovarialfunktion erlaubt. Angesichts des erhöhten kardiovaskulären Risikos beim Turner-Syndrom ist jedoch vor dem Eingriff eine kardiologische Untersuchung erforderlich, um die Sicherheit während der Schwangerschaft zu beurteilen.
Auch mit der Diagnose Turner-Syndrom kannst du ein aktives und gesundes Leben führen – vorausgesetzt, du beobachtest deine Symptome konsequent und erhältst die nötige medizinische Unterstützung.
Die meisten Menschen mit Turner-Syndrom haben ein langes und erfülltes Leben. Werden Begleiterkrankungen und Komplikationen überwacht und behandelt, führt die Erkrankung nicht zu einer verkürzten Lebenserwartung. Deshalb werden regelmäßige kardiologische, endokrinologische und gynäkologische Kontrollen empfohlen, um langfristige Komplikationen zu vermeiden.
Ebenso wichtig sind der Zugang zu Bildung und zu sozialen Aktivitäten, die auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind, um die persönliche Entwicklung zu fördern. Psychologische Unterstützung kann sowohl Kindern als auch Erwachsenen helfen, die damit verbundenen emotionalen und sozialen Herausforderungen zu bewältigen.
Das Turner-Syndrom ist eine seltene Erkrankung. Wenn du also das Gefühl hast, eine Menge Fragen dazu zu haben, was X-Chromosomenanomalien verursacht, wie sie sich äußern und welchen Einfluss sie auf das Leben haben können, ist das völlig normal. In den folgenden Zeilen beantworten wir einige der häufigsten Fragen zu dieser Erkrankung.
Das Turner-Syndrom entsteht in der Regel spontan und wird nicht vererbt. Die meisten Fälle gehen auf Chromosomenfehler in der Eizelle oder im Spermium zurück und haben keinen Zusammenhang mit der Familiengeschichte.
Derzeit gibt es keine Möglichkeiten zur Vorbeugung, da die genaue Ursache nicht bekannt ist. Das Syndrom entsteht zufällig bei der Bildung der Fortpflanzungszellen. Eine frühzeitige Erkennung durch pränatale genetische Tests kann jedoch dabei helfen, die medizinische Betreuung zu planen.
Patientinnen mit dieser Erkrankung haben aufgrund der Ovarialinsuffizienz eine eingeschränkte Fruchtbarkeit, doch die assistierte Reproduktionsmedizin und die Eizellspende bieten nach entsprechender medizinischer Abklärung Möglichkeiten, eine Schwangerschaft zu erreichen.
Menschen mit Turner-Syndrom können eine nahezu normale Lebenserwartung haben, wenn die begleitenden Herz-, Hormon- und Stoffwechselprobleme angemessen überwacht und behandelt werden.
Bei Kindern kann sich das Turner-Syndrom durch Kleinwüchsigkeit, einen breiten Hals, einen breiten Brustkorb mit weit auseinanderstehenden Brustwarzen, Hörprobleme und häufige Ohrentzündungen zeigen. Die Betroffenen wachsen möglicherweise langsamer als andere Mädchen ihres Alters, und der Pubertätsbeginn kann verzögert sein.
Die Diagnose wird durch eine klinische Untersuchung in Kombination mit einer Karyotypanalyse zur Überprüfung einer Monosomie X sowie genetischen Tests für Mosaikformen gestellt. Bei pränataler Diagnostik erfolgt die Bestätigung durch eine Chorionzottenbiopsie oder eine Amniozentese.
Die Diagnose kann pränatal durch genetisches Screening und fetalen Ultraschall gestellt werden, bei der Geburt, wenn deutliche körperliche Anzeichen vorliegen, oder in der Kindheit bzw. Pubertät, wenn Wachstum oder Pubertätsentwicklung verzögert sind. Es gibt auch Fälle, in denen die Diagnose erst im Erwachsenenalter gestellt wird, weil die Symptome später bemerkt werden.
Die meisten Menschen mit Turner-Syndrom haben eine normale Intelligenz, können aber Schwierigkeiten im mathematischen oder räumlichen Bereich haben, zum Beispiel beim Autofahren.
Zu den möglichen Herzkomplikationen gehören die Aortenisthmusstenose, also die Verengung eines Aortenabschnitts, und die bikuspide Aortenklappe, die zwei anstelle von drei Taschen aufweist.
Das Wachstumshormon fördert das Längenwachstum und den Erhalt normaler Körperproportionen. Seine Wirksamkeit ist umso höher, je früher die Behandlung in der Kindheit beginnt; die regelmäßige Überwachung ermöglicht eine Dosisanpassung für optimale Ergebnisse.
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