Endometriose tritt vor allem bei Frauen zwischen 25 und 35 Jahren auf und ist die häufigste Ursache chronischer Unterbauchschmerzen. Auch wenn sie nicht zwangsläufig zu Unfruchtbarkeit führt, beeinträchtigt Endometriose die Fruchtbarkeit – das bedeutet nicht, dass du nicht schwanger werden kannst, sondern dass es schwieriger sein wird. Neuere Untersuchungen zeigen: Etwa die Hälfte der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch leidet auch an Endometriose. Aber was genau ist diese Erkrankung?
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ähnelt, sowie ähnliche Gewebeanteile außerhalb der Gebärmutter vorkommen.
Diese Gewebeinseln werden auch „Endometrioseherde“ genannt und haben unterschiedliche Größen; sie finden sich innerhalb der Bauchhöhle und können sich im Verlauf eines Menstruationszyklus ausbreiten.
Wie Endometriose genau entsteht, ist bislang nicht abschließend geklärt. Es gibt mehrere Theorien darüber, wie Endometrioseherde entstehen, doch die Studienlage ist noch unzureichend. Die gute Nachricht: Die wissenschaftliche Forschung läuft auf Hochtouren.
Was bisher bekannt ist:
Die Herde können mit einem Rückfluss von Menstruationsblut durch die Eileiter zusammenhängen
Endometriose kann auch bei Frauen ohne Gebärmutter, bei Jugendlichen und in seltenen Fällen bei Männern auftreten
Es gibt mehrere Mechanismen, die zur Entwicklung von Endometrioseherden führen und noch nicht entschlüsselt sind.
Auch wenn kein Zusammenhang zwischen der Schmerzintensität und der Form der Endometriose besteht, unterscheiden Ärzte vier Formen der Erkrankung:
Oberflächliche (bzw. peritoneale) Endometriose
Ovarielle Endometriose
Tief infiltrierende Endometriose
Abdominelle Endometriose

„Jeden Monat sind 1,5 Millionen britische Frauen von Endometriose betroffen, doch leider halten viele von ihnen die Beschwerden lediglich für schmerzhafte Regelsymptome.“ (Quelle)

Das häufigste Symptom der Endometriose sind Unterbauchschmerzen während der Menstruation. Viele Frauen kennen Regelschmerzen, doch Betroffene mit Endometriose beschreiben den Schmerz als deutlich stärker als üblich. Zudem kann sich der Schmerz im Laufe der Zeit verschlimmern und auch beim Geschlechtsverkehr auftreten, der dadurch schmerzhaft wird. Wenn wir von stärkeren Schmerzen sprechen, meinen wir auch Bettlägerigkeit und akute Schmerzen zwischen den Regelblutungen.
Zu den Symptomen gehören also:
Dysmenorrhoe – also schmerzhafte Regelblutungen – wenn Schmerzen und Krämpfe von Rücken- und Bauchschmerzen begleitet werden und schon vor sowie noch nach der Blutung auftreten können.
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Bauchschmerzen beim Wasserlassen und/oder beim Stuhlgang
Starke Blutungen sowie Zwischenblutungen
Unfruchtbarkeit
Müdigkeit, Durchfall, Übelkeit und weitere Beschwerden
Wichtig zu wissen: Das Ausmaß der Schmerzen sagt nichts über die Form der Endometriose oder die Ausbreitung der Erkrankung aus – du kannst zum Beispiel eine oberflächliche Endometriose mit starken Schmerzen haben.
Die genauen Ursachen der Endometriose sind leider nicht bekannt, es gibt jedoch Risikofaktoren und einige Erklärungsansätze, die Ärzte anbieten können.
Zunächst die retrograde Menstruation. Was bedeutet das? Eine retrograde Menstruation tritt auf, wenn Menstruationsblut in die Eileiter zurückfließt, anstatt den Körper zu verlassen – die Zellen setzen sich dann an den Wänden der Beckenhöhle fest und wachsen dort weiter.
Dann gibt es die „Induktionstheorie“, nach der Hormone die Umwandlung von Bauchfellzellen in Endometriumzellen begünstigen. Ebenso können sich embryonale Zellen während der Pubertät in Endometriumzellen umwandeln.
Eine weitere Ursache wäre die chirurgische Verschleppung – nach einem Eingriff (Hysterektomie oder Kaiserschnitt) können sich Zellen an der Narbe festsetzen.
Blutgefäße können Endometriumzellen in andere Körperregionen transportieren.
Störungen des Immunsystems können dazu führen, dass der Körper Endometriumgewebe außerhalb der Gebärmutter nicht erkennt.
Gerade weil die Ursachen der Endometriose nicht genau bekannt und verstanden sind, sind auch die Möglichkeiten der Vorbeugung wenig erforscht. Empfehlenswert ist jedoch eine regelmäßige jährliche Kontrolle ab dem ersten Auftreten von Symptomen. Denn eine frühe Diagnose kann dir helfen, Schmerzen, Beschwerden und das Risiko einer Unfruchtbarkeit zu verringern.

Wie bei vielen Erkrankungen gibt es verschiedene Risikofaktoren, die das Auftreten der Krankheit beeinflussen können. Wenn:
du hormonelle Störungen hast, insbesondere einen erhöhten Östrogenspiegel
du noch nie geboren hast
es in deiner Familie Fälle von Endometriose gibt
du kurze Menstruationszyklen hast (weniger als 27 Tage)
deine Regelblutungen stark sind und länger als 7 Tage dauern
die Menopause erst in höherem Alter eingetreten ist
du einen niedrigen Body-Mass-Index (BMI) hast
Fehlbildungen des Reproduktionssystems vorliegen
Diese Faktoren sind keine direkten Ursachen für die Entstehung einer Endometriose, erhöhen aber das Risiko. Generell kann sich die Erkrankung einige Jahre nach der ersten Regelblutung entwickeln. Mit der Zeit können sich die Symptome verbessern – besonders während einer Schwangerschaft – und mit der Menopause ganz verschwinden.
Wichtig zu wissen ist, dass Endometriose fortschreitet, mehrere Stadien hat und die Behandlungen zur Linderung der Symptome unterschiedlich ausfallen können. In der ersten Phase entstehen im Körper kleine Herde innerhalb der betroffenen Organe. Anschließend vermehren sich die Endometrioseherde. Die Erkrankung kann sich zu tief infiltrierenden Herden oder Eierstockzysten weiterentwickeln, und im letzten Stadium finden sich zahlreiche Herde, mehrere große Zysten und Verwachsungen zwischen den Beckenorganen.
Mit dem Fortschreiten der Erkrankung steigt das Risiko für gesundheitliche Komplikationen, insbesondere Schwierigkeiten, schwanger zu werden, sowie die Beteiligung weiterer Organe wie Harnblase oder Darm.
Die wichtigste Komplikation ist jedoch die „impaired fertility“, also eine deutlich eingeschränkte Fruchtbarkeit. Neuere Studien zeigen, dass mehr als ein Drittel der Frauen mit Endometriose davon betroffen ist, und Endometriose bleibt eine der Hauptursachen für Unfruchtbarkeit.
Wie wir am Anfang des Artikels erwähnt haben, entsteht Endometriose, wenn das Gewebe, das die Gebärmutter auskleidet – das Endometrium – an anderen Stellen zu wachsen beginnt. Vielleicht fragst du dich: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Endometriose und Gebärmutterschleimhautkrebs?
Nun, die beiden Erkrankungen haben einige Gemeinsamkeiten (Zellwachstum an Stellen, an denen es nicht sein sollte, Unterbauchschmerzen), und es gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass Endometriose das Krebsrisiko leicht erhöhen kann. Doch es gibt auch wesentliche Unterschiede.
Ein Endometriumkarzinom entsteht, wenn die Zellen der Gebärmutterschleimhaut ein abnormes Aussehen haben, unkontrolliert wachsen und einen Tumor bilden. Diese Zellen können sich dann in andere Körperregionen ausbreiten und dort Tumoren bilden.
Aber eines musst du wissen: Endometriose ist kein Krebs.
Obwohl das Endometriumkarzinom nach der Menopause häufiger auftritt, kann es auch junge Frauen betreffen; über 95 % der Fälle treten bei Frauen über 40 Jahren auf. Der Gebärmutterschleimhautkrebs wächst langsam und kann sich, wenn er unentdeckt und unbehandelt bleibt, auf andere Beckenorgane ausbreiten. Die gute Nachricht: Wird er in einem frühen Stadium erkannt, ist er vollständig heilbar.
Auch die Diagnose der Endometriose kann nur der Frauenarzt zuverlässig stellen. Die Erkrankung kann von der Pubertät bis zur Menopause diagnostiziert werden, wobei es nicht ungewöhnlich ist, dass sie erst 10 Jahre nach den ersten Symptomen erkannt wird – viele Frauen machen genau diese Erfahrung.
Meist gelingt die Diagnose bei Jugendlichen oder jungen Frauen leichter, doch die Erkrankung kann auch zufällig entdeckt werden, etwa bei Untersuchungen oder Operationen aus anderen Gründen. In den letzten Jahren wurde außerdem ein Endometriose-Test entwickelt: ein innovativer Bluttest, der bis zu 90 % der Endometriosefälle bereits bei den ersten Anzeichen erkennen kann.
Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, lässt sich Endometriose nicht endgültig heilen, die Beschwerden können aber gelindert werden. Die gute Nachricht: Es gibt empfohlene Behandlungsansätze – medikamentös, chirurgisch oder alternativ – mit dem Ziel, die Endometrioseschmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Die Behandlung hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, etwa den konkreten Symptomen, der Schwere der Erkrankung und dem Wunsch, schwanger zu werden. Denn alle Verfahren und Therapieempfehlungen können darauf abzielen, die Schmerzen zu lindern und/oder eine Schwangerschaft zu erreichen.
Zu den empfohlenen medizinischen Verfahren gehört die Hormontherapie: Ziel der hormonellen Behandlung ist es, die Östrogenproduktion zu senken, indem Hormone über einen begrenzten Zeitraum und unter engmaschiger medizinischer Kontrolle verabreicht werden. Weitere Medikamente, die bei der Schmerzlinderung helfen können, sind entzündungshemmende Mittel – für die du kein Rezept brauchst (etwa Ibuprofen).
Auch die Behandlung mit Verhütungsmitteln wird bei Endometriose schon seit vielen Jahren eingesetzt. Wie funktioniert das? Die Pille lindert Endometrioseschmerzen, indem sie die Menstruation unterdrückt und das Wachstum der Endometrioseherde hemmt.
Manchmal wirken Hormontherapien und Entzündungshemmer nicht. In diesem Fall kann eine Laparoskopie empfohlen werden – ein minimalinvasiver chirurgischer Eingriff, bei dem Endometriosezysten entfernt und die Unfruchtbarkeit behandelt wird. Doch auch nach dieser Behandlung kann die Erkrankung erneut auftreten.
Leider gibt es für Endometriose keine Behandlung, die zu einer 100-prozentigen Heilung führt, und nur sehr wenige Betroffene können sagen: „Ich bin von der Endometriose geheilt.“ Doch die Therapien entwickeln sich weiter, und auch der naturheilkundliche Ansatz hat seine Vorteile. Wenn du eine naturheilkundliche Behandlung verfolgst, wirst du auf Ernährung, pflanzliche Mittel, Nahrungsergänzung und Entspannungstechniken achten.
Ernährung
Wichtig ist, dass sie Lebensmittel enthält, die Entzündungen im Körper so weit wie möglich reduzieren, und entzündungsfördernde Lebensmittel wie rotes Fleisch oder Kohlenhydrate ausschließt.
Heilpflanzen
Die Phytotherapie ist ein erster Behandlungsansatz bei Endometriose, denn bestimmte Pflanzen wirken positiv auf den Hormonhaushalt und lindern Schmerzen. Zu den empfohlenen Pflanzen gehören Himbeerblätter, Schafgarbe, Frauenmantel, Ingwer, Fenchel, Kamille oder Artischocke – du kannst sie als Tee zu dir nehmen, sie werden bei Endometriose empfohlen
Nahrungsergänzung
Oder die Aufnahme von Superfoods in die Ernährung, um oxidativem Stress vorzubeugen und den Körper mit Antioxidantien, Vitaminen und Mineralstoffen wie Vitamin B, Vitamin C, Magnesium oder Grüntee zu versorgen.
Entspannung
Du kannst auf Yoga, Atemtechniken und Meditation setzen – all das hilft dir, die Symptome besser zu bewältigen. Bei Bedarf kannst du auch Reflexzonenmassage oder Akupunktur ausprobieren.
Es ist längst keine Überraschung mehr, dass chronische Schmerzen den Alltag beeinträchtigen. Ein Leben mit Endometriose ist ein Leben mit Hindernissen, denn die Erkrankung kann dich niedergeschlagen und wütend machen und deinen Schlaf beeinträchtigen.
Deshalb helfen Entspannungstechniken nicht nur beim Umgang mit den Schmerzen, sondern auch dabei, dich mental besser zu fühlen. Vielen Patientinnen werden zudem Antidepressiva, Psychotherapie und Meditation empfohlen.
Was die empfohlene Ernährung betrifft, ist es entscheidend, sich möglichst ausgewogen und gesund zu ernähren und regelmäßig Sport zu treiben. Bestimmte Lebensmittel sind – wie oben erwähnt – empfehlenswert, andere sollten gemieden werden. Auch wenn es dazu noch nicht genügend Studien gibt, kannst du von den Erfahrungen anderer Betroffener lernen und Empfehlungen finden.
So wird zum Beispiel empfohlen, auf Transfette, rotes Fleisch und glutenhaltige Produkte zu verzichten – falls du merkst, dass eine glutenfreie Ernährung deine Schmerzen lindert. Empfohlen werden hingegen Omega-3-Fettsäuren, viel Gemüse, Blattgrün, Obst, Samen, Proteine und pflanzliche Fette.
Zum Abschluss unseres Artikels: Wenn deine Periode für dich mehr Fluch als Segen ist, zögere nicht, einen Termin für eine fachärztliche Untersuchung zu vereinbaren! Unser Rat: eine jährliche Kontrolle ab dem Auftreten der ersten Symptome!