Die HPV-Impfung ist die wirksamste Methode zum Schutz vor Krebserkrankungen, die durch das humane Papillomavirus verursacht werden. Doch wann sollte sie erfolgen, wie viele Dosen brauchst du und was kostet eine Dosis? Wir erklären dir alles, was du über die HPV-Impfung in Deutschland wissen musst.
HPV, das humane Papillomavirus, ist die Bezeichnung für eine Gruppe sehr weit verbreiteter Viren, die die Haut befallen und bei den meisten Menschen keine Beschwerden verursachen.
Es gibt jedoch über 100 HPV-Stämme, und bestimmte Typen können Genitalwarzen, Krebs oder andere Gesundheitsprobleme hervorrufen. Statistiken zufolge ist die HPV-Infektion die häufigste sexuell übertragbare Infektion bei Menschen mit einem aktiven Sexualleben – unabhängig vom Alter.
Wenn du mehr über die Symptome einer HPV-Infektion und deren Behandlung erfahren möchtest, findest du viele nützliche Informationen in unserem Artikel HIER.
Zum Glück lässt sich eine HPV-Infektion verhindern: Es gibt Impfstoffe, die das Infektionsrisiko deutlich senken. Sie führen dem Körper eine Menge an Proteinen zu, die jenen des Virus ähneln, um den Organismus zur Bildung von Antikörpern anzuregen und so eine aktive Immunisierung zu erreichen. Ein Infektionsrisiko durch die Impfung besteht nicht, da der Impfstoff das Virus selbst nicht enthält.
Auch wenn die Impfung nicht vor allen HPV-Typen schützt, ist sie gegen die meisten Stämme wirksam, die Genitalwarzen, Gebärmutterhalskrebs und andere Krebsarten verursachen.
Wichtig zu betonen ist: Der Impfstoff wirkt ausschließlich präventiv! Er spielt keine Rolle bei der Behandlung des HP-Virus und hilft dir daher nicht, gesund zu werden, wenn du bereits Kontakt mit dem Virus hattest. Nach einer Infektion ist die Impfung unwirksam – dann ist eine geeignete Therapie erforderlich.
Insgesamt gibt es drei zugelassene Impfstoffe: Gardasil, Gardasil 9 und Cervarix. Alle drei schützen vor den HPV-Typen 16 und 18, also jenen, die die meisten Krebsfälle verursachen. In Deutschland wird überwiegend der Impfstoff Gardasil 9 verabreicht; daneben ist auch der Impfstoff Cervarix zugelassen.
Gardasil, auch quadrivalenter HPV-Impfstoff oder Gardasil 4vHPV genannt, schützt vor 4 HPV-Stämmen. Zwei davon sind Hochrisiko-Stämme (16 und 18), die zur Entstehung von Krebs führen können, zwei weitere sind Niedrigrisiko-Stämme, nämlich 6 und 11, die Warzen und Genitalkondylome verursachen.
Der Impfstoff Gardasil 9, auch 9-valent oder Gardasil 9vHPV genannt, wird auch in Deutschland eingesetzt und schützt – wie der Name schon sagt – vor 9 HPV-Stämmen. Mit Gardasil 9vHPV geimpfte Personen sind gegen die beiden Niedrigrisiko-Stämme 6 und 11 (Schutz vor Warzen und Genitalkondylomen) sowie gegen weitere 7 Hochrisiko-Stämme geschützt, die verschiedene Krebsarten verursachen können: 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58.
Cervarix, oder Cervarix 2vHPV, ist die Bezeichnung des bivalenten HPV-Impfstoffs, der nur vor den beiden Hochrisiko-Stämmen 16 und 18 schützt. Er verhindert jedoch keine Infektion mit den Stämmen 6 und 11 und senkt somit nicht das Risiko einer Übertragung von Warzen und Genitalkondylomen.
Der wichtigste Vorteil einer HPV-Impfung noch vor dem ersten Sexualkontakt ist natürlich die Vorbeugung einer Infektion mit jenen Stämmen, gegen die der Impfstoff wirksam ist. Der in Deutschland eingesetzte Impfstoff Gardasil 9vHPV verleiht dir Immunität gegen verschiedene Krebsarten und senkt das Risiko einer Übertragung von Genitalwarzen.
Dank ihrer Wirksamkeit gegen Hochrisiko-Stämme schützt dich die HPV-Impfung langfristig vor zahlreichen Krebsarten, die durch dieses Virus verursacht werden. Manche Studien zeigen, dass der Impfstoff mindestens 10 Jahre wirksam ist – und bei Einhaltung des Impfschemas sogar länger.
Laut UNICEF sind HPV-Impfstoffe die wirksamste Möglichkeit, eine HPV-Infektion zu verhindern und sich vor jenen Stämmen zu schützen, die bis zu 90 % aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verursachen. Das ist besonders bedeutsam, wenn man bedenkt, dass alle 2 Minuten eine Frau an Gebärmutterhalskrebs stirbt.
Das HP-Virus ist allerdings nicht die einzige Ursache für Gebärmutterhalskrebs. So kann etwa auch die langfristige Einnahme von Verhütungsmitteln zum Risikofaktor werden. Wenn du also mehr darüber erfahren möchtest, was Gebärmutterhalskrebs bedeutet, wie er entsteht und wie er verhindert werden kann, lies den Artikel HIER.
Besonders der 9-valente Impfstoff Gardasil senkt das Risiko, an durch HPV verursachtem Vaginal-, Vulva-, Anal- oder Peniskrebs zu erkranken. Auch weitere Bereiche wie Mund, Rachen und Kopf werden durch die Impfung vor Krebsarten geschützt, die vom humanen Papillomavirus ausgelöst werden.
Die Impfung schützt nicht nur dich persönlich, sondern trägt auch dazu bei, die Verbreitung des Virus in der Bevölkerung zu reduzieren. Wenn ein großer Teil der Bevölkerung geimpft ist, sind auch jene Menschen geschützt, die den Impfstoff nicht erhalten können.

Die HPV-Impfung wird jungen Menschen empfohlen, aber auch sexuell aktiven Personen mit einem erhöhten Infektionsrisiko. Dazu gehören zum Beispiel Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter sowie HIV-infizierte Personen.
Die HPV-Impfung kann ab dem 9. Lebensjahr verabreicht werden, am wirksamsten ist sie jedoch im Alter von 11 bis 12 Jahren, weshalb sie dann auch empfohlen wird. Wichtig ist, dass sie vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt, um Schutz vor Stämmen mit hohem Krebsrisiko zu bieten.
Selbst wenn die Impfung nicht im Alter von 11 bis 12 Jahren erfolgt ist, kann sie bei Erwachsenen bis zu einem Alter von 45 Jahren nachgeholt werden. Besonders empfohlen wird sie Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko, etwa bei geschwächter Immunität, wechselnden Sexualpartnern oder bereits bestehender HIV- oder HPV-Infektion.
Dennoch ist die Impfung nicht für alle Erwachsenen zwischen 27 und 45 Jahren empfehlenswert – jeder Einzelfall sollte daher mit dem Facharzt besprochen werden.
Bei Frauen ist die Impfung eine der zwei Methoden zur Vorbeugung einer HPV-Infektion, die Genitalwarzen und Krebs verursachen kann. Die andere Methode ist die regelmäßige gynäkologische Vorsorgeuntersuchung, denn es gibt keine Bluttests zum Nachweis von HPV.
Beim Screening entnimmt der Arzt eine Zellprobe aus dem Gebärmutterhals und untersucht sie auf HPV, um frühzeitig Anzeichen dafür zu erkennen, ob die Patientin Gebärmutterhalskrebs entwickeln könnte. Das Screening wird vor allem Frauen zwischen 25 und 64 Jahren empfohlen.
Auch Männer können Träger des Papillomavirus sein. Bei ihnen kann die Infektion Genitalwarzen sowie Penis-, Anal- oder Oropharynxkarzinome verursachen. Oft treten keine Symptome auf, dennoch können sie das Virus weitergeben.
Die Impfung von Männern ist eine wichtige und wirksame Präventionsmaßnahme – sowohl zum Schutz vor Krebserkrankungen infolge einer Infektion als auch zur Verringerung der Virusübertragung.

Für die meisten Menschen ist die HPV-Impfung sicher und wird von Ärzten empfohlen. Es gibt jedoch Ausnahmen, bei denen die Verabreichung schädlich sein kann. Hier erfährst du, in welchen Situationen der Impfstoff gegen das humane Papillomavirus kontraindiziert ist:
Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die Impfung Mutter oder Kind schaden kann, wenn sie während der Schwangerschaft verabreicht wird. Generell wird jedoch empfohlen, mit der Impfung bis nach der Geburt zu warten.
Während der Stillzeit kann der Impfstoff hingegen verabreicht werden, und wenn er wirklich notwendig ist, ist eine Impfung auch in der Schwangerschaft möglich, sofern der Arzt dies empfiehlt.
Wenn du eine Anaphylaxie (eine schwere allergische Reaktion) auf einen der Impfstoffbestandteile hast oder in der Vergangenheit eine solche Reaktion auf eine vorherige Dosis aufgetreten ist, solltest du auf die Impfung verzichten. Das Risiko, erneut – möglicherweise noch heftiger – allergisch zu reagieren, ist erhöht.
Wie dein Körper auf die Impfung reagiert, hängt auch von deinem Gesundheitszustand ab. Ist deine Immunität geschwächt, etwa weil du bereits eine andere Therapie erhältst oder an verschiedenen Erkrankungen leidest, wird empfohlen, die Impfung zu verschieben.
Ebenso solltest du die Impfung verschieben, wenn du Fieber hast oder dich so schlecht fühlst, dass du deinen normalen Alltagsaktivitäten nicht nachgehen kannst.
Die Anzahl der erforderlichen Dosen richtet sich grundsätzlich nach dem Alter, berücksichtigt aber auch, wie stark dein Immunsystem ist. In der Regel wird in 2 oder 3 Dosen geimpft.
Personen unter 15 Jahren erhalten zwei Dosen. Empfohlen wird ein Abstand von mindestens 6 Monaten zwischen den beiden Impfungen.
Ab dem 15. Lebensjahr kann die Impfung bis zum vollendeten 45. Lebensjahr in drei Dosen erfolgen. Empfohlen wird, nach der ersten Dosis mindestens 1 Monat bis zur nächsten zu warten und danach mindestens weitere 3 Monate bis zur letzten Dosis.
Nach einer Infektion behandelt der Impfstoff weder die Läsionen noch die Infektion selbst. Grundsätzlich wird die Impfung Personen unter 27 Jahren jedoch weiterhin empfohlen, um eine Infektion mit anderen HPV-Stämmen zu verhindern.
Bei Personen zwischen 27 und 45 Jahren nimmt die Wirksamkeit des Impfstoffs nach einer Virusexposition hingegen deutlich ab. Sie sollten mit ihrem Arzt sprechen und individuellen Empfehlungen für ein wirksames Impfschema folgen.
Deshalb wird vor der Impfung stets ein vorheriger HPV-Test empfohlen. So kann jede Person anschließend eine informierte und sinnvolle Entscheidung entsprechend der eigenen Situation treffen.
Der Impfstoff wird als Injektion verabreicht, üblicherweise tief in den Muskel des Oberarms – nicht in eine Vene oder in das Unterhautgewebe.
Nach der HPV-Impfung können verschiedene Nebenwirkungen auftreten, die jedoch meist nur kurz anhalten und recht mild verlaufen. Zu den häufigsten Beschwerden gehören:
Bei schwereren Reaktionen, also einer Allergie gegen einen der Impfstoffbestandteile, können Schwellungen von Zunge und Lippen, Nesselsucht oder Atembeschwerden auftreten. In solchen Fällen ist eine notfallmedizinische Versorgung erforderlich; die Person, die die Impfung verabreicht hat, ist entsprechend geschult, um diese Reaktionen sofort zu behandeln.
Nachdem die Wirkungen über einen Zeitraum von 10 Jahren untersucht wurden, fanden die Forschungen keine Langzeitreaktionen infolge der HPV-Impfung. Ärzte sind daher zu dem Schluss gekommen, dass sie sicher ist.

Alle Impfstoffarten bieten einen langfristigen Schutz von mindestens 10 Jahren, und bislang gibt es keine klaren Hinweise darauf, dass die Wirksamkeit im Laufe der Zeit abnimmt. Studien zufolge beeinflusst der Impfstofftyp jedoch die Schutzdauer:
Gardasil ist mehr als 10 Jahre nach der Impfung wirksam.
Cervarix bietet 9 Jahre Schutz.
Gardasil 9 bleibt 9 Jahre nach der Impfung wirksam, mindestens jedoch 6 Jahre.
In den letzten 12 Jahren wurden über 120 Millionen Dosen des HPV-Impfstoffs verabreicht. Laut den bisher durchgeführten Studien gab es keinen einzigen Todesfall, der durch einen der Impfstofftypen verursacht wurde. Dies erlaubte den Forschern, die Sicherheit zu bestätigen und gleichzeitig die Wirksamkeit zu beobachten.
Eine Metaanalyse von HPV-Impfprogrammen mit über 60 Millionen Menschen aus 14 Ländern ergab folgende Resultate:
Schwere allergische Reaktionen traten bei weniger als einer von einer Million verabreichten Dosen auf, was die Sicherheit des Impfstoffs bestätigt.
Ja. Kein Impfstoff schützt vor allen Arten von HPV-Infektionen, denn es gibt über 100 Stämme. Screening-Untersuchungen werden daher auch nach einer HPV-Impfung weiterhin empfohlen – als sekundäre Präventionsmaßnahme.
Der Pap-Test ist die wirksamste Methode, Gebärmutterhalskrebs zu erkennen und zu verhindern, da er auffällige Zellen entdeckt, noch bevor sie zu Krebsvorstufen werden. Deshalb ersetzt die Impfung gegen jene HPV-Stämme, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können, keine Screening-Untersuchungen. Sie werden ungeimpften und geimpften Frauen gleichermaßen empfohlen.
Die HPV-Impfung mit Gardasil 9 ist im Rahmen der STIKO-Empfehlung für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren kostenlos; eine Nachholimpfung ist bis zum Tag vor dem 18. Geburtstag möglich. Für Erwachsene ab 18 Jahren übernehmen viele gesetzliche Krankenkassen die Kosten freiwillig auf Anfrage, teils mit eigener Altersgrenze (z. B. bis 26) — dies ist jedoch keine bundesweit einheitliche Pflichtleistung und sollte bei der jeweiligen Krankenkasse individuell erfragt werden.
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