Der Verlust der Jungfräulichkeit – oder besser gesagt: das erste Mal, denn eigentlich verlierst du nichts, sondern machst einfach eine neue Erfahrung – bringt viele körperliche und emotionale Aspekte mit sich. Und weil Sex ein völlig normaler Teil im Leben jeder Frau und jedes Menschen ist, finden wir, dass Gespräche über den Beginn des Sexuallebens weder tabu sein noch vermieden werden sollten. Es ist wichtig, gut informiert zu sein.
Schon beim ersten intimen Kontakt besteht das Risiko einer Schwangerschaft und einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten. Einwilligung und die Gewissheit, dass du bereit bist, sind zwei weitere Dinge, über die du Bescheid wissen solltest, bevor du dein Sexualleben beginnst. Deshalb lassen wir alle Mythen und Vorurteile beiseite und sprechen offen über alles, was mit Jungfräulichkeit und dem ersten Geschlechtsverkehr zu tun hat.
Jungfräulichkeit ist ein Einhorn – das haben wir in einem früheren Artikel im Enroush-Blog geschrieben, in dem wir ausführlich über Jungfräulichkeit gesprochen haben und den wir dir sehr gerne zum Nachlesen empfehlen: HIER.
Im Kern hängt Jungfräulichkeit mit Sex zusammen – genauer gesagt mit sexueller Erfahrung. Da Sex für verschiedene Menschen Unterschiedliches bedeuten kann, wird auch Jungfräulichkeit mit unterschiedlichen Bedeutungen verknüpft. Es ist schwierig, etwas zu definieren, das so subjektiv ist und auf gesellschaftlichen Konzepten beruht. Was ist Jungfräulichkeit also letztlich?
In manchen Kulturen wird sie mit Reinheit und Moral gleichgesetzt. Dabei ist an Sex nichts Unmoralisches – sexuelle Aktivität ist ein natürlicher und gesunder Teil des Lebens. Andere Definitionen besagen, dass die Jungfräulichkeit mit dem Eindringen des Penis in die Vagina und dem Reißen des Hymens endet. Doch Jungfräulichkeit und Hymen kann man nicht gleichsetzen – das Hymen ist nicht einmal ein Indikator für Jungfräulichkeit, und dieser Ansatz berücksichtigt weder Anal- noch Oralverkehr und auch keine anderen Formen intimer Kontakte (zum Beispiel zwischen gleichgeschlechtlichen Personen).
Wie können wir Jungfräulichkeit also objektiv definieren, ohne sie mit Moral, einem Organ oder unseren eigenen Ansichten zu verknüpfen? Ganz einfach: gar nicht!
Jungfräulichkeit bedeutet fehlende sexuelle Erfahrung – aber wie relevant ist das eigentlich? Wann du deinen ersten Geschlechtsverkehr hattest oder haben wirst, geht ausschließlich dich etwas an und ändert nichts an deiner Integrität. Wann du dein Sexualleben beginnst, ist für dich von Bedeutung, denn du bist diejenige, die die körperlichen und psychischen Auswirkungen erlebt. Für andere sollte es keine Rolle spielen – und damit verliert das ganze Konzept eigentlich seinen Sinn.
Auch wenn es aus medizinischer Sicht nicht korrekt ist, wurde die Jungfräulichkeit von Mädchen lange Zeit – und wird es teilweise immer noch – mit einem intakten Hymen gleichgesetzt. Ist das Hymen nicht mehr intakt, gilt das Mädchen als nicht mehr jungfräulich. Das stimmt jedoch keineswegs.
Tatsächlich kann das Hymen beim ersten vaginalen Geschlechtsverkehr einreißen, sich dehnen oder „reißen“. Es kann aber ebenso durch die Verwendung eines Tampons, durch intensives Training oder durch ganz alltägliche Aktivitäten wie Fahrradfahren einreißen. Das sind Dinge ohne jede sexuelle Bedeutung – die bloße Veränderung des Hymens kann daher kein Kriterium für Jungfräulichkeit sein.
Gleichzeitig ist es möglich, dass das Hymen nicht beim ersten vaginalen Geschlechtsverkehr reißt, sondern erst beim zweiten oder dritten. Bei anderen Sexpraktiken kann es sogar völlig unversehrt bleiben. In solchen Fällen liegt sexuelle Erfahrung vor, obwohl sich am Hymen nichts verändert hat – auch deshalb ist es kein Indikator für Jungfräulichkeit.
Aber was ist das Hymen überhaupt, und woher stammt diese überholte Vorstellung, es sei ein Marker für Jungfräulichkeit? Schauen wir es uns an …

Um besser zu verstehen, was das Hymen ist, schauen wir uns zunächst an, wie es entsteht. Dieses dünne Gewebe, das sich im Inneren der Vagina nahe dem äußeren Eingang befindet, bildet sich bereits während des Lebens im Mutterleib.
Bevor sich der (weibliche) Fötus entwickelt, hat die Vagina noch keine Öffnung nach außen. Sie ist von den Urogenitalorganen getrennt und durch eine Membran verschlossen. Im Verlauf der Schwangerschaft und mit der Entwicklung des Babys entsteht in dieser Membran eine Öffnung, die mit jedem Lebensjahr größer wird und in der Pubertät elastisch wird. Diese Membran ist – kurz gesagt – das Hymen.
So wie alle Vulven unterschiedlich sind, ist auch jedes Hymen einzigartig. Es gibt sehr viele Hymen-Typen, je nach Form und Elastizität – alle unterschiedlich und alle völlig normal:
Wir haben einen weiteren Blogartikel, in dem wir ausführlicher darüber sprechen, was das Hymen ist. Merken solltest du dir aber vor allem: In der Regel ist das Hymen nicht vollständig verschlossen – Mädchen kommen mit einem Hymen zur Welt, das bereits eine oder mehrere Öffnungen hat, durch die später das Menstruationsblut abfließt.
Ähnlich wie bei Mädchen wird oft angenommen, dass ein Junge seine Jungfräulichkeit in dem Moment verliert, in dem er Geschlechtsverkehr mit vaginaler Penetration hat. Aber auch Jungen können Sex in anderen Formen erleben. Und wenn Jungfräulichkeit mit fehlender sexueller Erfahrung gleichgesetzt wird, kann eine solche Erfahrung bedeuten, dass der Junge nicht mehr jungfräulich ist, auch wenn es keine Penetration gab.
Es gibt auch einen körperlichen Ansatz, bei dem die Jungfräulichkeit von Jungen mit dem Frenulum (Vorhautbändchen) in Verbindung gebracht wird. Letztlich ist Jungfräulichkeit aber ein subjektives Detail – und das gilt für Mädchen wie für Jungen gleichermaßen.
Umgangssprachlich auch „Penisbändchen“ genannt, ist das Frenulum ein elastisches Gewebestück, das sich unter der Eichel befindet und deren Unterseite mit der unteren Vorhaut verbindet. Es ist ein feines Band, das das Zurückziehen der Vorhaut ermöglicht.
In Bezug auf die Jungfräulichkeit könnte man das Frenulum bei Jungen als Gegenstück zum Hymen bei Mädchen betrachten. Denn wie das Hymen reißt auch das Frenulum häufig bei den ersten sexuellen Kontakten – besonders, wenn es sehr kurz ist.
So sind auch Jungen mit dem Vorurteil konfrontiert, sie seien keine Jungfrauen mehr, wenn das Frenulum gerissen ist. Wahr ist jedoch, dass es aus vielen Gründen reißen kann, sogar spontan. Ebenso kann es durch Dehnung beim Masturbieren einreißen.
Der erste Geschlechtsverkehr ist ein besonderer und unvergesslicher Moment – für Mädchen wie für Jungen. Meist ist er voller Emotionen und Erwartungen, die manchmal nicht realistisch sind, besonders im Jugendalter.
Neugier, Verlangen, Unruhe, Aufregung – all das sind völlig normale Gefühle rund um das erste Mal, ebenso wie der Wunsch nach einer schönen Erfahrung, vielleicht sogar nach dem ersten Orgasmus. Wichtig ist jedoch, daneben auch realistische Erwartungen zu haben.
Bei Mädchen kann der erste Kontakt weniger angenehm sein, da das Reißen des Hymens schmerzhaft sein und in etwa 50 % der Fälle mit Blutungen einhergehen kann – vor allem, wenn es sehr fest ist. Bei Jungen können starke Emotionen eine Erektion erschweren oder einen vorzeitigen Samenerguss auslösen.
Der erste Geschlechtsverkehr ist oft nicht der schönste. All das ist normal, und du solltest schon vorher darüber Bescheid wissen. Sonst könntest du enttäuscht sein, dich abgelehnt fühlen oder keinen weiteren sexuellen Kontakt wünschen – gerade weil das erste Mal emotional so stark wirkt.
Deshalb wird empfohlen, dass es beim ersten Mal nicht nur um körperlichen Kontakt geht. Vielmehr solltet ihr beide emotional beteiligt sein und euch eine schöne, angenehme Erfahrung wünschen.

Schon beim ersten Mal ist es entscheidend, sich der Risiken bewusst zu sein. Ob du Jungfrau bist oder nicht – jeder sexuelle Kontakt, auch der erste, kann zu einer Schwangerschaft oder zur Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit führen, wenn der Partner infiziert ist. Deshalb ist es wichtig, dass ihr euch beide schon beim ersten intimen Kontakt schützt.
Das Kondom ist eine der am leichtesten verfügbaren Methoden und verhindert sowohl eine Schwangerschaft als auch die Übertragung von Krankheiten. Es gibt aber noch viele weitere Verhütungsmethoden, mit denen du eine ungewollte Schwangerschaft verhindern kannst – HIER haben wir dir jede einzelne vorgestellt, wie sie funktioniert und wie wirksam sie ist. Eine davon ist die Antibabypille, die dich allerdings nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen schützt. Dafür brauchst du weiterhin eine Barrieremethode.
Sollte es dennoch zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr kommen, gerate nicht in Panik. Die Pille danach ist eine Notfallverhütung, die genau für solche unvorhergesehenen Situationen entwickelt wurde, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern.
Sie ist jedoch KEINE Langzeitlösung, und entgegen mancher Mythen über die Pille danach schützt eine Dosis dich nicht für einen ganzen Menstruationszyklus, sondern nur für einen einzigen Geschlechtsverkehr. Außerdem verhindert sie keine Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten. Nutze sie also nur im Notfall, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern, und entscheide dich anschließend für eine andere Schutzmethode.
Ganz oben auf der Liste der Mythen über das erste Mal bei Mädchen steht zweifellos jener: „Wenn dein Hymen nicht intakt ist, bist du keine Jungfrau mehr.“
Wie bereits erwähnt, ist aus anatomischer Sicht kein Hymen wirklich „intakt“ – es ist kein Siegel, und schon von Geburt an gibt es eine oder mehrere Öffnungen, die weiter größer werden. Zudem kann das Hymen durch völlig normale Aktivitäten einreißen und ist damit keinesfalls ein Zeichen für Jungfräulichkeit oder deren Verlust.
Doch daneben kursieren noch weitere Mythen über das erste Mal:

Wir wissen: Du hast schon sehr viel über Jungfräulichkeit gehört – von allen Seiten. Mythen, Ratschläge, Gerüchte, geteilte Meinungen. All das kann verwirrend sein, und wir sind sicher, dass du noch viele Fragen hast. Im Folgenden beantworten wir die häufigsten Unklarheiten rund um den ersten Geschlechtsverkehr:
Jede Erfahrung ist einzigartig. Das erste Mal kann schmerzhaft, angenehm oder eine Mischung aus beidem sein. Schmerzen und Blutungen können vor allem dann auftreten, wenn das Hymen gedehnt wird und einreißt.
Ein gewisses Maß an Unbehagen ist normal. Wenn die Schmerzen jedoch stark sind, sprich mit deinem Partner. Es ist keine Schande, langsamer zu machen oder aufzuhören. Es gibt viele Gründe für Schmerzen beim Sex, die nichts mit der Dehnung des Hymens zu tun haben – lies deshalb auch unseren Artikel HIER, um mögliche weitere Ursachen kennenzulernen.
Es gibt kein „ideales“ Alter, in dem man die Jungfräulichkeit „verlieren muss“. Jeder Mensch entscheidet selbst, wann er bereit ist, und der erste Geschlechtsverkehr sollte nur dann stattfinden, wenn du es wirklich möchtest. Manche Menschen entscheiden sich dafür, nie Sex zu haben – auch diese Entscheidung ist völlig in Ordnung.
Einwilligung bedeutet ein übereinstimmendes Einverständnis beider Partner, die miteinander sexuell intim werden möchten. Praktisch heißt das: Beide wollen es. Es ist sehr wichtig, dass diese Einwilligung klar kommuniziert und verbal ausgedrückt wird, damit keine Unsicherheiten über das Einverständnis bestehen und die Grenzen beider Seiten verstanden und respektiert werden.
Manchmal ja, manchmal nein. Bei manchen Mädchen gehen das Einreißen und Dehnen des Hymens beim ersten Geschlechtsverkehr mit Blutungen einher. Andere kommen mit einem sehr elastischen oder kaum vorhandenen Hymen zur Welt – bei ihnen ist es völlig normal, beim ersten Mal nicht zu bluten.
Psychisch hinterlässt das erste Mal einen starken Eindruck – man sagt, du wirst es nie vergessen. Genau deshalb ist es wichtig, dass du es mit der richtigen Person erlebst: mit jemandem, bei dem du dich sicher fühlst und zu dem du eine emotionale Verbindung hast.
Ja, jeder ungeschützte Geschlechtsverkehr kann zu einer Schwangerschaft führen. Schütze dich deshalb immer – sei es mit Kondom, Antibabypille oder anderen Verhütungsmethoden.