Gefühle von Traurigkeit und Unruhe gehören zum Leben – sie sind eine natürliche Reaktion auf unsere Erfahrungen und auf alles, was um uns herum geschieht. Wir alle haben manchmal negative Stimmungen, die wir in der Regel innerhalb kurzer Zeit überwinden.
Bei einer Depression ist das anders. Im Rahmen einer depressiven Episode können diese negativen Zustände Wochen, Monate oder sogar Jahre anhalten und unser Privat- wie Berufsleben stark beeinträchtigen.
Deshalb ist es wichtig, die Symptome zu erkennen, zu verstehen, dass wir uns nicht schuldig fühlen oder für unsere fehlende Motivation oder Lust verurteilen müssen – und bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. In diesem Artikel helfen wir dir, besser zu verstehen, was eine Depression ist, wie sie sich äußert und wie sie behandelt werden kann.
Die Depression ist eine affektive Störung, von der etwa 5 % der Erwachsenen betroffen sind. Sie äußert sich durch Traurigkeit, Interessenverlust und Energiemangel über längere Zeiträume – in der Regel länger als zwei Wochen.
Auch wenn Frauen laut Statistiken häufiger betroffen sind, kann jeder Mensch an dieser Störung erkranken, unabhängig von Alter oder Geschlecht.
Im Gegensatz zu den normalen Stimmungsschwankungen des Alltags kann eine Depression auch die Beziehungen zu Familie und Freunden sowie die Leistungsfähigkeit in Schule oder Beruf negativ beeinflussen. In fortgeschrittenen Stadien und ohne angemessene Behandlung kann eine Depression so schwer werden, dass sie Suizidgedanken auslöst.
Es ist wichtig, dass Betroffene möglichst früh professionelle Hilfe erhalten, denn es gibt Behandlungsmöglichkeiten für alle Formen der Depression – von leichten bis zu schweren Verläufen.
Es gibt viele Arten und Ausprägungen von Depressionen: Manche werden durch bestimmte Ereignisse ausgelöst, andere durch hormonelle Veränderungen oder Veränderungen der Neurotransmitter im Gehirn.
Der Facharzt stellt die Diagnose anhand aller vom Patienten geschilderten Symptome und legt darauf basierend einen Behandlungsplan fest. Zu den bekanntesten Formen der Depression gehören:
Die saisonale Depression, auch saisonal abhängige Depression oder Winterdepression genannt, ist eine depressive Episode, die mit dem Wechsel der Jahreszeiten auftritt.
Bei vielen Menschen tritt sie in den Wintermonaten auf. Wenn die Tage kürzer werden und die Zeit im natürlichen Tageslicht deutlich abnimmt, produziert der Körper möglicherweise mehr Melatonin und zu wenig Serotonin. Es entsteht ein hormonelles Ungleichgewicht, das die Anpassung an den Winterrhythmus erschwert und zu Schlaf-, Stimmungs- und Verhaltensstörungen führt.
Solche depressiven Zustände verschwinden meist im Frühling und Sommer.
Die Major Depression, auch als „Major-depressive Störung“ oder „klinische Depression“ bekannt, ist die häufigste und gleichzeitig schwerste Form dieser Störung. Diese Diagnose erhalten Patienten in der Regel, wenn die depressiven Zustände an den meisten Tagen der Woche anhalten.
Weitere Symptome einer Major Depression können Energielosigkeit und Interessenverlust an gewohnten Aktivitäten sein, Veränderungen von Gewicht und Appetit, anhaltende Müdigkeit und Schläfrigkeit, innere Unruhe oder geistige Umnebelung (Brain Fog), Schuldgefühle, Konzentrations- und Entscheidungsschwierigkeiten sowie Suizidgedanken.
Wenn du fünf oder mehr dieser Symptome an den meisten Tagen über mindestens zwei Wochen bei dir wiedererkennst, kann der Facharzt eine Major Depression diagnostizieren.
Ein weniger bekannter Begriff: Die prämenstruelle dysphorische Störung ist ebenfalls ein reales Krankheitsbild, mit dem manche Frauen etwa zwei Wochen vor Beginn der Menstruation zu kämpfen haben. Sie äußert sich durch depressive Verstimmungen, aber auch durch weitere Symptome, die den Alltag beeinträchtigen, etwa Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, starke Angstzustände, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Appetitveränderungen oder veränderte Schlafmuster.
All diese Symptome sind stärker ausgeprägt als beim prämenstruellen Syndrom und verschwinden in der Regel wenige Tage nach Einsetzen der Menstruation.

Einige Wochen oder Monate nach der Geburt des Babys erkrankt etwa eine von sieben Mütter an einer postpartalen Depression, auch Wochenbettdepression genannt.
Im Unterschied zu den Sorgen und der Traurigkeit in den ersten Tagen nach der Geburt – bekannt als Baby Blues – ist die postpartale Depression durch Angst, Traurigkeit, Pessimismus, Interessenlosigkeit, Reizbarkeit und Appetitverlust über mehr als zwei Wochen gekennzeichnet. Diese Emotionen können so stark sein, dass sie den Alltag beeinträchtigen und den Bindungsaufbau zum Baby erschweren.
Es ist sehr wichtig, depressive Zustände nicht zu ignorieren, denn sie können anhalten und sich verschlimmern. Besonders dringend ist professionelle Hilfe, wenn spontane Aggressionen ohne ersichtlichen Grund auftreten, Zwangsgedanken in Bezug auf das Baby, eine Ablehnung des Neugeborenen oder ein Verlust des Realitätsbezugs.
Je nach Schweregrad kann der Arzt eine Psychotherapie empfehlen – mit oder ohne medikamentöse Behandlung.
Aufgrund der zahlreichen hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren können viele Frauen in dieser Zeit unter Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Angstzuständen, Panikattacken und sogar Depressionen leiden. Der Arzt kann Therapiesitzungen, eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva oder eine individuelle Therapie für bestimmte Symptome empfehlen.
Das Risiko einer Depression in den Wechseljahren steigt zusätzlich, wenn die Patientin in der Vergangenheit bereits an Angstzuständen oder Depressionen gelitten hat.
Die bipolare oder manisch-depressive Störung äußert sich durch extreme Zustände: den plötzlichen Wechsel von Phasen mit ungewöhnlich hohem Energieniveau zu depressiven Phasen mit sehr geringer Energie. In den depressiven Phasen treten die typischen Symptome einer klinischen Depression auf.
Eine medikamentöse Behandlung kann dazu beitragen, die Stimmungsschwankungen unter Kontrolle zu halten. Unabhängig davon, ob sich Patienten in einer Phase mit hohem oder niedrigem Energieniveau befinden, können Ärzte Stimmungsstabilisatoren wie Lithium empfehlen.
Bei einer Major-depressiven Störung mit atypischen Merkmalen können bestimmte positive Erlebnisse die Traurigkeit vorübergehend unterbrechen und die Stimmung der Patienten kurzzeitig verbessern. Dieses Phänomen wird als Reaktivität bezeichnet.
Die atypische Depression kann sich zudem durch gesteigerten Appetit, verlängerte Schlafdauer, Überempfindlichkeit gegenüber Kritik sowie ein Schweregefühl in Armen und Beinen äußern. Eine antidepressive Behandlung nach Anweisung des Arztes kann helfen, diese Symptome zu lindern.
Wie bei vielen anderen psychischen Störungen sind die Ursachen der Depression nicht genau bekannt. Es gibt jedoch bestimmte Situationen, die häufig mit dem Auftreten einer Depression in Verbindung gebracht werden, darunter:
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die depressive Episoden auslösen oder die Anfälligkeit für diese Störung erhöhen können:
Medizinische Faktoren: Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen oder bestimmten hormonellen Störungen besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Depressionen.

Obwohl die Depression eine affektive Störung ist, zeigt sie sich nicht nur durch psychische, sondern auch durch körperliche Symptome. Diese halten nahezu den ganzen Tag über und die meiste Zeit an. In einer depressiven Episode können Patienten daher Folgendes erleben:
Auf körperlicher Ebene kann sich das Energieniveau verändern und es können eine Reihe von Beschwerden des Verdauungs-, Herz-Kreislauf- und Muskelsystems und weiterer Bereiche auftreten:
Die psychischen Symptome sind die deutlichsten Anzeichen einer Depression, und sie unterscheiden sich von Person zu Person. Zu den Gefühlen, die während einer depressiven Episode auftreten können, gehören:
Wenn du unter depressiven Verstimmungen leidest, sprich schon bei den ersten Anzeichen mit deinem Hausarzt oder deinem Psychologen. Die Depression ist eine reale Störung, die dich und deine Angehörigen stark belasten kann. Ohne Behandlung kann sie sich verschlimmern und Folgen für deine emotionale und körperliche Gesundheit, deine Karriere und viele andere wichtige Lebensbereiche haben.
Der Arzt kann eine Behandlung der Depression durch Psychotherapie, mit Medikamenten oder durch eine wirksame Kombination aus beidem empfehlen.
Es gibt zahlreiche Arten von Antidepressiva, die der Arzt je nach Form und Schwere der Depression verschreiben kann – von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern bis zu atypischen, trizyklischen und weiteren Antidepressiva. Es handelt sich um Medikamente, die recht starke Nebenwirkungen haben, eine Schwangerschaft negativ beeinflussen oder mit anderen Arzneimitteln interagieren können – bespreche diese Aspekte daher immer mit deinem Arzt oder Apotheker.
In der Regel wird die medikamentöse Behandlung nach dem Abklingen der Symptome noch weitere 16 bis 20 Wochen fortgesetzt, um das Rückfallrisiko zu senken.
Psychotherapie bedeutet, die Depression durch Gespräche mit einem auf depressive Störungen spezialisierten Therapeuten zu behandeln. Dabei gibt es mehrere Psychotherapieformen, die bei Depressionen wirksam sind.
Die Einzeltherapie etwa besteht aus Eins-zu-eins-Gesprächen mit dem Facharzt, die darauf ausgerichtet sind, beim Verstehen und Bewältigen emotionaler Schwierigkeiten, Blockaden oder anderer negativer Erfahrungen im privaten oder beruflichen Leben zu unterstützen.
In Sitzungen der kognitiven Verhaltenstherapie konzentriert sich der Therapeut darauf, die Probleme des Patienten zu identifizieren und ihm zu helfen, Coping-Strategien zu entwickeln sowie seine Denk- und Verhaltensmuster zu verändern.
Es gibt außerdem die interpersonelle Psychotherapie, die sich darauf konzentriert, wie die Beziehungen zu anderen den emotionalen und psychischen Zustand des Patienten beeinflussen. Es handelt sich um eine Kurzzeittherapie, deren Ziel es ist, bei der Lösung gegenwärtiger Probleme zu helfen.
Es kann eine echte Herausforderung sein, einem Menschen mit Depression beizustehen. Vielleicht fühlst du dich sogar hilflos – besonders dann, wenn die betroffene Person nicht weiß oder nicht akzeptieren will, dass sie an einer Depression leidet. Zudem gibt es, weil sich die Störung bei jedem Menschen anders zeigt, keine allgemeingültige Liste passender Worte für solche Situationen.
Wie also unterstützt man jemanden mit Depression? Mit Verständnis und Geduld.
So wichtig Gespräche über psychische Gesundheit auch sind: Fehlendes Fingerspitzengefühl und mangelndes Mitgefühl können jede gute Absicht überschatten und die falsche Botschaft senden. Das gilt umso mehr, wenn du die Form der Depression, mit der die Person zu kämpfen hat, nicht kennst oder nicht verstehst.
Wenn du mit einer depressiven Person sprichst, solltest du daher Aussagen vermeiden, mit denen du:
Was du stattdessen tun kannst: Zeige, dass es dir nicht gleichgültig ist, sei einfühlsam und begegne ihr mit Verständnis. Anstatt die Hilfe anzubieten, die du für richtig hältst, frage, wie du helfen kannst. Anstatt unaufgeforderte Ratschläge zu geben, biete an, gemeinsam die passende Unterstützung zu finden.
Und nicht zuletzt: Denke daran, dass die Depression eine psychische Erkrankung ist, die behandelt werden muss. Es ist daher sehr wichtig, den Besuch beim Arzt für professionelle Hilfe zu ermutigen. Nicht mit Druck, sondern mit Sanftheit und Geduld – und mit der Erklärung, dass es nichts Beschämendes oder Falsches daran ist, sich Hilfe von einem Experten zu holen.

Es gibt keinen sicheren Weg, eine Depression zu verhindern, aber es gibt einige Möglichkeiten, das Risiko einer Erkrankung und eines Rückfalls zu senken. Das kannst du tun:
Die Depression ist eine komplexe Erkrankung, die jeder Patient anders erlebt – dass du dazu viele Fragen hast, ist völlig normal. In diesem Abschnitt versuchen wir, die häufigsten Fragen zu depressiven Episoden zu beantworten:
Die Genesung von einer Depression ist nicht einfach, und eines der am schwersten zu Akzeptierenden ist, dass man nicht genau wissen kann, was auf einen zukommt. Es ist nicht wie das Heilen einer körperlichen Wunde, sondern ein ganzer Prozess, der manchmal einige Wochen, manchmal einige Monate dauert.
Ohne Behandlung kann eine Depression sogar jahrelang anhalten. Mit Behandlung können sich die Symptome bereits in den ersten Wochen bessern. Wichtig ist aber zu verstehen, dass es keine festgelegte Dauer für depressive Episoden gibt und auch keine zeitliche Grenze, innerhalb der ein Mensch sich von einer Depression erholt. Das hängt vom Schweregrad der Erkrankung und vom Ansprechen auf die Behandlung ab.
Schlaflosigkeit und Schlafstörungen können zu den Symptomen einer Depression gehören. In diesen Fällen können ein regulierter Schlafrhythmus und erholsamer Schlaf zur Behandlung der Störung beitragen und die Genesung beschleunigen.
Die schwere Depression ist eine Form der Major Depression, die sich durch intensive Zustände von Unglücklichsein über längere Zeiträume äußert.
Es gibt keine einzige, klar benennbare Ursache – anders als bei Kummer, der durch bestimmte Alltagsereignisse ausgelöst wird. Diese Zustände sind vielmehr das Ergebnis einer Kombination biologischer, sozialer, psychologischer und umweltbedingter Faktoren, darunter Stress, Traumata, Genetik, Familienanamnese, Substanzkonsum, bestimmte Medikamente usw.
Die Diagnose „schwere Depression“ ist keine von der Major oder klinischen Depression getrennte Diagnose, sondern eher eine Beschreibung dafür, wie intensiv die Symptome sind und wie stark sie das Leben eines Menschen beeinträchtigen. Zu diesen Symptomen gehören:
Die postpartale Depression ist eine Form der Depression, die Menschen betreffen kann, die kürzlich Eltern geworden sind (sowohl Mütter als auch Väter). Die Symptome können bereits in den ersten Wochen oder Monaten nach der Geburt des Babys oder jederzeit im ersten Lebensjahr des Kindes beginnen.
Wie jede Form der Depression äußert sie sich von Person zu Person unterschiedlich. Die häufigsten Symptome sind:
Ohne Behandlung kann eine Wochenbettdepression Monate oder sogar Jahre andauern – wie jede Form der Depression. Und auch wenn sie jederzeit bis zum ersten Geburtstag des Babys auftreten kann, bedeutet das nicht, dass die Eltern geheilt sind, sobald das Baby ein Jahr alt wird.
Studien zeigen, dass sich die Symptome in vielen Fällen nach drei bis sechs Monaten gebessert haben. Die Dauer der Depression ist jedoch individuell verschieden und hängt von vielen Faktoren ab, darunter Umweltfaktoren, Behandlung und Hormonspiegel.
Quellen
Für diesen Artikel haben wir Informationen aus den folgenden Quellen verwendet:
1. WebMD, „Types of Depression and How to Recognize Them“: https://www.webmd.com/depression/depression-types
2. World Health Organization, „Depressive disorder (depression)“: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/depression
3. National Institute of Mental Health, „Depression“: https://www.nimh.nih.gov/health/topics/depression
4. Mayo Clinic, „Depression (massive depressive disorder“: https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/depression/symptoms-causes/syc-20356007
5. NHS, „Causes - Depression in adults“: https://www.nhs.uk/mental-health/conditions/depression-in-adults/causes/
6. Mayo Clinic, „Depression: Supporting a family member or friend“: https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/depression/in-depth/depression/art-20045943
7. Very Well Mind, „What Not to Say to Someone Who Is Depressed“: https://www.verywellmind.com/worst-things-to-say-to-someone-who-is-depressed-1066982
8. WebMD, „Depression Recovery: An Overview“: https://www.webmd.com/depression/recovery-overview
9. MedicalNewsToday, „What to know about severe depression“: https://www.medicalnewstoday.com/articles/severe-depression
10. Healthline, „How Long Does Postpartum Depression (PPD) Last - and Can You Shorten It?“: https://www.healthline.com/health/depression/how-long-does-postpartum-depression-last
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