Auch wenn Chlamydien vor allem bei jungen Frauen auftreten, können sie Frauen und Männer jeden Alters betreffen und beim Geschlechtsverkehr auf jeden übertragen werden. Das Problem: Obwohl die Infektion leicht behandelbar ist, bleibt sie mangels Symptomen häufig unentdeckt – und ohne Behandlung kann sie zu schwerwiegenderen Gesundheitsproblemen führen.
Deshalb erfährst du heute alles, was du über Chlamydien wissen musst: was sie sind, wie sie übertragen werden, wie sie behandelt werden und wie man einer der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen vorbeugt.
Chlamydien sind eine sexuell übertragbare Infektion, die durch das Bakterium „Chlamydia trachomatis“ verursacht wird. Sie bleibt oft unbemerkt, weil Symptome ausbleiben oder erst sehr spät auftreten.
Bei Frauen befällt Chlamydia zunächst den Gebärmutterhals (was zu Anzeichen einer Zervizitis führen kann) und kann sich anschließend im übrigen Genitaltrakt ausbreiten, einschließlich Gebärmutter und Eileiter. Betroffen sein können außerdem:
Chlamydien sind die häufigste bakterielle sexuell übertragbare Infektion – und das nicht nur in Deutschland. Damit du eine Vorstellung davon bekommst, wie verbreitet sie ist, hier ein paar Zahlen:
Schon aus den obigen Statistiken lässt sich ableiten, wer besonders gefährdet ist. Damit das Bild aber ganz klar wird, hier die anfälligsten Gruppen im Überblick:
Ohne Test wissen Betroffene nicht, dass sie Chlamydien haben, erhalten also keine Behandlung und tragen so zur Verbreitung der Infektion bei. Ein weiterer Faktor, der ihr den Status „häufigste bakterielle sexuell übertragbare Infektion“ einbringt, ist die Vielzahl der Übertragungswege. Welche das sind, erfährst du jetzt.

Auch wenn man sich auf mehreren Wegen anstecken kann, erfolgt die Übertragung des Bakteriums hauptsächlich sexuell, nämlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. Schauen wir uns genauer an, wie sich die Infektion verbreiten kann:
Das ist der häufigste Übertragungsweg und umfasst alle Formen ungeschützten Geschlechtsverkehrs (oral, vaginal oder anal). Eine Ejakulation spielt dabei keine Rolle, denn das Bakterium kann auch ohne Samenflüssigkeit übertragen werden.
Während der Geburt kann eine infizierte Mutter die Infektion auf das Kind übertragen. Die Mikroorganismen werden vertikal, über den Geburtskanal, weitergegeben. Konjunktivitis und Lungenentzündung können zwei der Symptome eines mit Chlamydien infizierten Neugeborenen sein.
Auch Spielzeug kann das Bakterium tragen und übertragen. Seltener, aber möglich: Wer ein Sexspielzeug nach einer infizierten Person oder gemeinsam mit ihr benutzt, kann sich mit Chlamydien anstecken.
Am besten benutzt du ausschließlich deine eigenen Toys. Oder – falls du nicht die Einzige bist, die sie verwendet – nur mit Kondom (und einem Gleitgel auf Wasserbasis, das das Kondom nicht angreift), und reinige sie vor und nach jedem Gebrauch.
Die Chlamydien-Konjunktivitis ist eine Augenentzündung, die durch eine Infektion mit Chlamydia trachomatis entsteht. Dazu kommt es, wenn Genitalsekrete mit dem Bakterium in die Augen gelangen, zum Beispiel wenn du dir mit der Hand ins Auge fasst, nachdem du deinen Intimbereich (bei bestehender Infektion) oder den eines infizierten Partners berührt hast.
Wenn du weißt, wer besonders gefährdet ist und wie das Bakterium übertragen wird, lassen sich die wichtigsten Risikofaktoren für Chlamydien leicht ableiten:
Viele Infizierte haben überhaupt keine Symptome – deshalb werden Chlamydien auch als „stille Infektion“ bezeichnet. Genau das ist auch der Grund, warum sie sich so leicht verbreitet: Die Betroffenen wissen nichts davon, haben weiterhin ungeschützten Intimkontakt und lassen sich nicht behandeln.
Treten doch Symptome auf, kann es bis zu drei Wochen dauern, bis sie bemerkt werden. Bei Frauen und Männern unterscheiden sie sich wie folgt:
Die ersten Anzeichen sind am mildesten und nehmen an Intensität zu, je weiter die Infektion fortschreitet. Bei Frauen sind die häufigsten Symptome:
Bleibt die Infektion unbehandelt und verschlimmert sich, können weitere Symptome auftreten:
Und wenn die Infektion den Analbereich betrifft, können folgende Symptome auftreten:
Wie bei Frauen sind die Symptome bei einer Infektion im Analbereich auch bei Männern identisch: Es können rektale Schmerzen, Blutungen oder Ausfluss auftreten.
Wenn du ungeschützten Sex hattest und erfährst, dass dein Partner infiziert war, gehe möglichst schnell zum Arzt, um dich behandeln zu lassen. Das gilt genauso, wenn du vaginalen oder analen Ausfluss bemerkst oder Schmerzen bzw. Brennen beim Wasserlassen auftreten. Kurz gesagt: Bei jedem ungewöhnlichen Symptom oder jeder Veränderung im Intimbereich ist ein Arztbesuch die beste Entscheidung.
Die Diagnose erfolgt anhand der Symptome, der Krankengeschichte und von Laboruntersuchungen. Sowohl Fachärzte (Urologe, Gynäkologe, Dermatovenerologe) als auch der Hausarzt können eine Chlamydien-Infektion diagnostizieren.
Neben der Sexualanamnese und der Einschätzung der Risikofaktoren kann der Arzt eine klinische Untersuchung durchführen, einschließlich einer Untersuchung mit dem Spekulum und einer Palpation, um die richtige Diagnose zu stellen. Zur Bestätigung des Bakteriums Chlamydia trachomatis können außerdem folgende Tests durchgeführt werden:
Sobald die Diagnose Chlamydien gestellt ist, werden auch Tests auf andere sexuell übertragbare Krankheiten empfohlen (darunter Syphilis, Gonorrhoe und HIV) sowie die Information der Sexualpartner.

Chlamydien sind behandelbar und heilbar. Meist verschreibt der Arzt ein Antibiotikum und empfiehlt zusätzlich, für mindestens 7 Tage nach Abschluss der Behandlung auf Geschlechtsverkehr zu verzichten (oder in dieser Zeit konsequent ein Kondom zu verwenden).
Weitere Empfehlungen während und nach der Behandlung:

Ohne Behandlung können Chlamydien zu einigen schwerwiegenden Gesundheitsproblemen führen, besonders bei Frauen. In fortgeschrittenen Stadien wird die Infektion mit weiteren Erkrankungen in Verbindung gebracht:
Da der Hauptübertragungsweg sexuell ist, besteht der einzige Schutz vor einer Chlamydien-Infektion in der korrekten Anwendung von Barrieremethoden bei jedem Geschlechtsverkehr (Lecktuch für Oralsex bzw. Kondom für jede Form von Sex). Außerdem verhindert gründliches Händewaschen nach jeder Berührung des eigenen Intimbereichs oder des Intimbereichs des Partners, dass das Bakterium in die Augen gelangt – und beugt so einer Konjunktivitis vor.
Chlamydien werden nur durch intimen Kontakt übertragen, also durch Sex (vaginal, anal oder oral), oder von der Mutter auf das Kind während der Geburt. Der einzige Weg einer Übertragung durch Alltagskontakt ist, wenn infizierte Genitalsekrete mit den Augen in Berührung kommen.
Die Antibiotikabehandlung bei Chlamydien kann 7 bis 14 Tage dauern; anschließend ist nach 2 bis 3 Wochen ein erneuter Test erforderlich, um die Heilung zu bestätigen. Danach wird ein weiterer Test nach 3 bzw. 5 bis 6 Monaten empfohlen, um sicher zu wissen, ob die Infektion vollständig aus dem Körper verschwunden ist.
Ja, es wird empfohlen, während der Behandlung und für 7 bis 10 Tage danach auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zu verzichten. Ist Abstinenz nicht möglich, muss unbedingt jedes Mal ein Kondom korrekt verwendet werden.