Kennst du das? Obwohl du dich längst daran gewöhnt hast und Zugang zu superabsorbierenden, bequemen Bio-Menstruationsprodukten hast, ist deine erste Reaktion manchmal trotzdem ein Augenrollen, wenn du merkst, dass deine Periode da ist? Wieder Blutungen, wieder Krämpfe, wieder Gelüste. Und doch … irgendwie freust du dich auch ein wenig, oder? Es ist ein Zeichen dafür, dass in deinem Körper alles normal läuft. Das lässt sich über eine Amenorrhoe leider nicht sagen.
Es mag zunächst verlockend klingen, Monat für Monat ohne Blutung auszukommen, doch das Ausbleiben der Menstruation – genau das bedeutet Amenorrhoe – weist meist auf eine hormonelle Störung oder ein ernsteres Gesundheitsproblem hin. Sehen wir uns also an, was du über die Amenorrhoe wissen solltest, wann sie Anlass zur Sorge gibt und wann du unbedingt eine Fachärztin oder einen Facharzt aufsuchen solltest.
Die Amenorrhoe ist eine Störung des Menstruationszyklus und bedeutet das Fehlen der Regelblutung beziehungsweise ihr Ausbleiben über mehrere Monate hinweg. Je nach dem Zeitpunkt, an dem sie auftritt, unterscheidet man zwei Formen:
Die Ursachen für das Ausbleiben oder die Verzögerung des Zyklus können sehr vielfältig sein. Sie unterscheiden sich auch je nach Art der Amenorrhoe.
Der primären Amenorrhoe liegen meist hormonelle Störungen oder verschiedene anatomische Fehlbildungen von Vagina, Gebärmutter oder Hymen zugrunde. Auch Störungen im Bereich des Hypothalamus, genetische Erkrankungen wie das Turner-Syndrom oder eine verzögerte Pubertät können Ursachen einer primären Amenorrhoe sein.
Die sekundäre Amenorrhoe kann, wie oben erwähnt, durch eine Schwangerschaft ausgelöst werden, aber auch durch bestimmte Medikamente, Stress, hormonelle Probleme, plötzliche Gewichtsabnahme oder andere Erkrankungen. Ebenso können eine primäre Ovarialinsuffizienz, das polyzystische Ovarialsyndrom, Störungen im Gehirn beziehungsweise Hypothalamus oder eine Niereninsuffizienz eine sekundäre Amenorrhoe verursachen.
Im Folgenden sprechen wir über einige der häufigsten Ursachen einer Amenorrhoe und darüber, wann es normal ist, dass die Periode sich verspätet oder plötzlich aufhört – und wann nicht.
Es gibt Situationen, in denen das Ausbleiben der Menstruation völlig normal ist – diese Fälle nennen wir natürliche Amenorrhoe. Dazu gehört zum Beispiel eine Schwangerschaft. Wenn du schwanger wirst, ist eines der ersten Anzeichen das Ausbleiben der Periode, und das ist vollkommen normal.
Ebenso ist eine Amenorrhoe während der Stillzeit normal, denn Prolaktin (das Hormon, das die Milchbildung fördert) verhindert den Eisprung und die Rückkehr des normalen Menstruationszyklus. Wenn du stillst, kann es deshalb sogar bis zu einem Jahr dauern, bis die Amenorrhoe endet und die Periode zurückkehrt.
Und natürlich sprechen wir von einer Amenorrhoe als natürlichem Prozess bei der Menopause, die sich im Grunde genau dadurch definiert: das Ende des Menstruationszyklus und das Ausbleiben der Blutungen. Nach dem 40. bis 50. Lebensjahr (manchmal auch früher) gilt eine Amenorrhoe von 12 Monaten als Menopause.

Du weißt bereits, dass die Pille beziehungsweise hormonelle Verhütungsmittel deinen Hormonspiegel und deinen Menstruationszyklus direkt beeinflussen. Falls nicht, lass uns darüber sprechen: Wir haben vor einiger Zeit im Blog alles über die Antibabypille erzählt.
Eine weitere sehr häufige Ursache für das Ausbleiben der Menstruation kann also der Beginn einer hormonellen Verhütung sein – so lange, bis sich der Körper an die synthetischen Hormone gewöhnt hat und sich der Zyklus einspielt.
Es gibt auch Fälle, in denen die Periode bei Anwenderinnen hormoneller Verhütungsmittel einfach ganz verschwindet. Das kann sowohl bei oralen Präparaten als auch bei Injektionen oder Implantaten passieren. Selbst manche Spiralen können zu einer Amenorrhoe führen, und auch nach dem Absetzen kann es einige Zeit dauern, bis Eisprung und Menstruation wieder normal ablaufen.
Hast du dich schon einmal gefragt, ob Paracetamol die Menstruation stoppt? Die Antwort lautet nein – doch es gibt viele andere Medikamente, die das tun. Zu den Arzneimitteln, deren Einnahme zu einer Amenorrhoe führen kann, zählen:
Gibt es überhaupt ein Gesundheitsthema, bei dem der Lebensstil nicht zu den Hauptursachen gehört? Alltagsaktivität, Stresslevel, Ernährung, Körpergewicht und körperliche Belastung beeinflussen dein Immunsystem und deine Gesundheit in vielerlei Hinsicht – und das Fortpflanzungssystem und der Menstruationszyklus sind keine Ausnahme. Manchmal tragen also auch Lebensstilfaktoren zur Entstehung einer Amenorrhoe bei, etwa:
Ein ausgeglichener Hormonhaushalt ist die Grundlage eines normalen Menstruationszyklus. Östrogen und Progesteron sind zwei Fortpflanzungshormone, die in den Eierstöcken gebildet werden und den Eisprung direkt beeinflussen.
Ein hormonelles Ungleichgewicht gehört daher zu den wichtigsten Ursachen einer Amenorrhoe, und es gibt mehrere Erkrankungen, die es hervorrufen können:
Nicht zuletzt können anatomische Veränderungen der Fortpflanzungsorgane zu einer Amenorrhoe führen. Dazu gehören:
Strukturelle Fehlbildungen der Vagina: Wenn eine anatomische Anomalie (zum Beispiel eine Membran) den Scheidenkanal blockiert, kann das Blut möglicherweise nicht sichtbar aus Gebärmutter oder Gebärmutterhals abfließen und nicht ausgeschieden werden.
Der Definition entsprechend zeigt sich die Amenorrhoe durch das Ausbleiben der Menstruation. Je nach zugrunde liegender Ursache können weitere Anzeichen und Symptome hinzukommen, darunter:
Sobald du merkst, dass du an einer Amenorrhoe leidest. In den meisten Fällen ist eine Amenorrhoe nicht normal – es sei denn, du bist schwanger oder in den Wechseljahren. Wenn du also 15 Jahre alt bist und deine erste Periode noch nicht bekommen hast, oder wenn plötzlich drei Monate hintereinander ohne Blutung und ohne natürlichen Grund vergehen, solltest du möglichst rasch eine gynäkologische Untersuchung vornehmen lassen, um die Ursache zu finden und eine Lösung zu bekommen.
Umso wichtiger ist eine gynäkologische Untersuchung, wenn die Amenorrhoe von weiteren der oben genannten Symptome begleitet wird. Vereinbare möglichst schnell einen Termin, wenn:
Wir sind sicher, dass dir bei einer Amenorrhoe unzählige Fragen im Kopf herumschwirren – und es ist völlig normal, verunsichert zu sein. Warum hast du noch nie eine Periode gehabt, obwohl du schon 15 bist und alle deine Freundinnen ihre erste Menstruation längst hatten? Warum ist deine Periode plötzlich verschwunden? Gibt es Tabletten, die die Menstruation auslösen? Was kannst du tun, damit die Periode zurückkommt?
Die Menstruation ist etwas Natürliches, und wenn sie nie eintritt oder plötzlich ausbleibt, ist es normal, sich zu fragen, was nicht stimmt. Deine Ärztin oder dein Arzt kann dir helfen, alle Antworten zu finden – frage also genau dort nach. Alles! Alles, was dich beunruhigt. Hier sind einige Fragen, mit denen du beginnen könntest (und natürlich kann die Liste beliebig weitergehen, wenn dich noch weitere Themen rund um deine reproduktive Gesundheit beschäftigen):
Die Diagnose und die Klärung der Ursache übernimmt die Gynäkologin oder der Gynäkologe. Dazu wird gefragt, seit wie vielen Monaten deine Periode ausbleibt, ob du weitere Symptome hast, wie deine medizinische Vorgeschichte aussieht und welche Besonderheiten dein Zyklus aufweist (ob er regelmäßig oder unregelmäßig ist, ob du in der Vergangenheit schon eine Amenorrhoe oder andere Zyklusstörungen hattest usw.). Für eine möglichst genaue Diagnose ist außerdem eine körperliche Untersuchung nötig.
Blutuntersuchungen
Neben der gynäkologischen Untersuchung können weitere Gentests und Blutuntersuchungen angeordnet werden, um die genaue Ursache der Amenorrhoe festzustellen und die beste Behandlung auszuwählen. Im Blut lässt sich der Hormonspiegel bestimmen, sodass Störungen der Nebennieren oder der Schilddrüse erkannt werden können. Möglicherweise werden folgende Tests durchgeführt:
Bildgebende Untersuchungen
MRT-Untersuchungen und Ultraschall sind weitere ergänzende Verfahren, mit denen sich eine Amenorrhoe und ihre Ursache diagnostizieren lassen. Sie können helfen, Probleme der Hirnanhangsdrüse oder der Fortpflanzungsorgane (Eierstöcke, Gebärmutter) zu erkennen.
Eine natürliche Amenorrhoe, also das Ausbleiben der Menstruation während Schwangerschaft, Stillzeit oder Menopause, muss nicht behandelt werden. Du kannst ganz beruhigt sein: In diesen Lebensphasen ist es völlig normal, keine Periode zu haben.
Bei allen anderen Formen der Amenorrhoe richtet sich die Behandlung nach der Ursache und der medizinischen Vorgeschichte. Wenn zum Beispiel der Auslöser für das Ausbleiben deiner Periode Folgendes ist:
In sehr seltenen Fällen ist eine Operation die einzige Möglichkeit, die Amenorrhoe zu beheben und wieder eine Menstruation zu bekommen. Ein chirurgischer Eingriff kann nötig sein, wenn ein anatomisches Problem vorliegt, etwa eine Zyste oder ein Tumor an Gebärmutter, Eierstöcken oder Hirnanhangsdrüse. Sobald dieser Tumor entfernt ist, sollte sich die Menstruation wieder normalisieren.
Die Risikofaktoren für eine Amenorrhoe hängen im Grunde mit dem Lebensstil und der medizinischen Vorgeschichte zusammen. Du bist stärker gefährdet, wenn du Folgendes hast:
Auch wenn eine Amenorrhoe in den meisten Fällen nicht gefährlich ist – also nicht lebensbedrohlich –, beeinträchtigt sie doch die Lebensqualität. Je nach Ursache kann eine unbehandelte Amenorrhoe zu langfristigen Komplikationen führen:
Wichtig ist zu verstehen, dass der Menstruationszyklus eine natürliche und normale Funktion ist, die zeigt, dass dein Körper richtig arbeitet. So verlockend es auch klingen mag, den monatlichen Besuch der Blutung loszuwerden: Ihr Ausbleiben ist nicht normal und bedeutet, dass im Körper ein Ungleichgewicht besteht. Eine Amenorrhoe kann auf ein ernsteres Gesundheitsproblem hinweisen – deshalb ist es wichtig, möglichst früh eine Ärztin oder einen Arzt für Diagnose und Behandlung aufzusuchen.

Hier sind wir unter Freundinnen. Nur weil wir alle wichtigen Themen rund um die Amenorrhoe angesprochen haben, heißt das nicht, dass du keine weiteren Fragen stellen darfst. Genau so läuft es doch, wenn du mit einer Freundin sprichst: Sie erzählt dir möglichst viele hilfreiche Informationen, und danach stellst du noch die letzten Fragen, die dich beschäftigen.
Genau das machen wir hier: Am Ende des Artikels versuchen wir, dir auch jene Antworten zu geben, die du im übrigen Text möglicherweise nicht gefunden hast, die dich aber sicher interessieren.
Von einer Amenorrhoe spricht man, wenn du noch nie eine Menstruation hattest oder wenn sie drei Monate hintereinander ausgeblieben ist. Und wenn es darum geht, wie lange es dauert, bis der Zyklus wieder normal ist, hängt alles von der Ursache ab und davon, wie schnell du fachliche Hilfe suchst:
Mit einer Amenorrhoe kann es schwieriger sein, schwanger zu werden – unmöglich ist es aber nicht. In der Regel deutet das Ausbleiben der Periode darauf hin, dass kein Eisprung stattgefunden hat, und ohne Eisprung kann keine Schwangerschaft entstehen. Dennoch ist ein Eisprung möglich, besonders wenn der Amenorrhoe eine hormonelle Ursache zugrunde liegt – eine Schwangerschaft ist also nicht völlig ausgeschlossen.
Das beste Beispiel ist die Zeit nach der Geburt: Während der Stillzeit kannst du, auch wenn die Periode noch nicht zurückgekehrt ist, bereits vier Wochen nach der Geburt wieder schwanger werden.
Ja. Jede hormonelle Störung oder größere Veränderung im Leben kann sich auf deinen Alltag auswirken, und es ist wichtig, immer gut auf deinen Körper zu achten, damit die Periode regelmäßig kommt. Auch wenn deine Menstruation nach einer stressigen Phase zurückgekehrt ist, kann sie erneut ausbleiben, wenn eine neue Phase chronischen Stresses folgt. Dasselbe gilt bei zu niedrigem Körpergewicht, bei einer Schwangerschaft oder bei hormonellen Ungleichgewichten.
Wenn dir das passiert ist, kannst du beruhigt sein: Du bist nicht allein, und es kommt recht häufig vor, dass die Periode nach dem Absetzen der Pille vorübergehend ausbleibt (manchmal sogar bis zu drei Monate!). Dein Körper braucht einfach Zeit, um die Hormone, die du für Eisprung und Menstruation brauchst, wieder selbst zu produzieren.
Es gibt sogar einen Namen für dieses Phänomen: Post-Pill-Amenorrhoe (englisch: post-pill amenorrhea). Untersuchungen zufolge kann es bei etwa 3–6 % der Frauen nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel zu einer Amenorrhoe kommen, und das Risiko steigt weiter, wenn der Zyklus vorher unregelmäßig war. Bleibt die Periode jedoch länger als vier bis sechs Monate aus, solltest du mit einer Fachärztin oder einem Facharzt sprechen.
Nein, eine Amenorrhoe bedeutet nicht automatisch Unfruchtbarkeit. Doch das Fehlen der Menstruation – und damit des Eisprungs – kann dazu führen, dass eine Schwangerschaft nicht möglich ist. Sprich dieses Thema also mit deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen an, wenn du dir ein Kind wünschst, deine Periode aber ausbleibt oder unregelmäßig ist.