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Die Klitoris: von ihrer Funktion bis zu deinen Orgasmen

Für viele von uns ein Rätsel und (immer noch) ein umstrittenes Thema – genau wie die Sexualaufklärung selbst. Wie wäre es, wenn wir einen der erst kürzlich vollständig erforschten Teile des weiblichen Körpers ins Rampenlicht rücken? Im Laufe der Geschichte wurde die Klitoris stigmatisiert, doch es ist nie zu spät, ihr eine Stimme zu geben. Was ist sie also, welche Rolle spielt sie und warum solltest du mehr über die Klitoris wissen? Das erfährst du in diesem Artikel.

Was ist die Klitoris?

Die Hauptquelle der meisten weiblichen Orgasmen – die Klitoris – ist Teil der Vulva und befindet sich in deren oberem Bereich. Sie ist die empfindsamste Lustzone unseres Körpers, doch nur ein kleiner Teil von ihr ist sichtbar: Der Großteil liegt im Inneren. 

Ein vollständiger LEITFADEN zur Klitoris: Was sie ist, wo du sie findest und welche Rolle sie spielt - Enroush

Lange Zeit galt die Klitoris als das wichtigste weibliche Geschlechtsorgan – bis zum 19. Jahrhundert, als sich diese Sichtweise änderte und die Vagina in den Fokus rückte (daher auch die Verknüpfung weiblicher Sexualität mit dem Kinderkriegen). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts holte Freud die Klitoris jedoch zurück ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und mit ihr den weiblichen Orgasmus. Es war das erste Mal, dass von zwei Orgasmusarten die Rede war: dem klitoralen und dem vaginalen – dazu aber später mehr in diesem Artikel.

Wo liegt die Klitoris und woraus besteht sie?

Was wir von der Klitoris sehen, befindet sich im oberen Bereich der Vulva, dort, wo die inneren Schamlippen zusammenlaufen. Unter der Klitorisvorhaut verbirgt sich die Eichel – also die Klitorisspitze. Sie enthält bis zu 8.000 Nervenenden, mehr als jeder andere Teil des menschlichen Körpers (weiblich oder männlich). Und wenn du einen Vergleich möchtest: Der Penis hat nur etwa 4.000 Nervenenden, die Fingerspitzen rund 2.500.

Übrigens: Wusstest du, dass die erste vollständige 3D-Darstellung der Klitoris erst 2009 erstellt wurde?

Ein vollständiger LEITFADEN zur Klitoris: Was sie ist, wo du sie findest und welche Rolle sie spielt - Enroush

Aus embryonaler Sicht hat die Klitoris denselben Ursprung wie der Penis: Beide entwickeln sich aus derselben anatomischen Struktur. 

Im Erwachsenenalter teilt sich ihr innerer Körper in zwei Schenkel, die Harnröhre und Vagina umschließen. Neben jedem „Schenkel“ liegen zudem die Klitorisschwellkörper, die die Vaginalwände beidseitig umgeben.

Stell dir die Klitoris als Ausgangspunkt vor: Von hier verlaufen Nervenfasern von bis zu 15 cm Länge, die bis zur Innenseite der Oberschenkel oder in verschiedene Bereiche des Unterbauchs reichen können.

Wie (und warum) sich die Klitoris verändert

Das wusstest du vielleicht noch nicht:
Die Klitoris ist der einzige Teil des menschlichen Körpers, der nie altert.
Studien zeigen: Eine 80-jährige Klitoris funktioniert genauso wie eine 20-jährige!

Ihre Größe verändert sich hingegen im Laufe des Lebens. Sie wächst während der Pubertät gemeinsam mit den übrigen Genitalien, und die Größe variiert von Person zu Person stark. Zum Teil bestimmen Hormone ihre Größe – wobei die Größe ohnehin keine Rolle spielt, denn sie hat keinen Einfluss auf die Empfindsamkeit der Klitoris oder auf das Lustempfinden. Die Länge ist unterschiedlich, und manche Menschen kommen mit einer längeren Eichel zur Welt. Der Klitoriskörper misst in der Regel 2–5 cm, die Schenkel (Crura) etwa 9 cm und die Schwellkörper 3–7 cm.

Was ist klitorale Stimulation?

Für die meisten Frauen ist die Stimulation der Klitoris der sicherste Weg zum Orgasmus. Sie ist außerdem die häufigste Form der weiblichen Masturbation – während der Menstruation oder nicht, mit oder ohne Partner. 

So wie Lust subjektiv ist, gibt es unzählige Methoden und Techniken der klitoralen Stimulation. Manche bevorzugen eine sanfte, zarte Stimulation und bestimmte Sexstellungen, die das begünstigen, andere mögen es fester, gezielter oder rhythmischer. Es gibt keine Gebrauchsanweisung, dafür aber sexuelle Fantasien und Vorstellungskraft: Wie stark, häufig, rhythmisch, sanft, fest oder intensiv du die Klitoris bis zum Orgasmus stimulierst, hängt ganz von deinen Vorlieben ab. Gut zu wissen: Es gibt mehrere Erregungsstadien, und die Eichel kann so empfindlich sein, dass eine direkte Berührung schmerzhaft ist – besonders ohne Gleitgel.

Auch beim Cunnilingus gibt es viele Varianten: Vielleicht gefallen dir Küsse, sanftes Knabbern, Lecken über die gesamte Vulva oder zwischen den Schamlippen, eine feste Massage mit der Zungenspitze rund um die Klitoris oder direkt auf ihr.

Klitoraler und vaginaler Orgasmus

Bei Erregung füllt sich das erektile Gewebe – also die Klitoris in ihrer Gesamtheit – mit Blut und die Nervenenden werden stimuliert. Alle Teile der Klitoris schwellen an, werden fester, und die Klitoris wird erigiert. Die inneren Schamlippen können bis zu dreimal so groß werden wie normalerweise, und auch die äußeren schwellen an. Die Vagina dehnt sich, wird tiefer und feuchtet natürlich an, während die Drüsen am Scheideneingang ebenfalls ein Sekret abgeben.

All diese Vorgänge bereiten dich auf den Orgasmus vor. Doch was unterscheidet den vaginalen vom klitoralen Orgasmus?

Auch wenn es durchaus möglich ist, ausschließlich durch Penetration zum Orgasmus zu kommen, ist der vaginale Orgasmus (vor allem ohne Vorspiel oder Vorbereitung) eher die Ausnahme. Studien zeigen, dass rund 80 % der Frauen mehr als Penetration brauchen, um zum Orgasmus zu kommen – nämlich klitorale Stimulation. Leider haben Tabus rund um Lust die Forschung in diesem Bereich lange behindert, und wir wissen noch nicht sehr viel.


Wir wissen aber, dass es bereits Studien zum berühmten G-Punkt gibt, und manche Forschende vermuten, dass der G-Punkt gar keine eigene anatomische Struktur ist, sondern die Stelle, an der die seitlichen Teile der Klitorisschwellkörper mit der Vorderwand der Vagina in Kontakt kommen. Das würde bedeuten: Ein „vaginaler Orgasmus“ kann eigentlich ein klitoraler Orgasmus sein.

Reizungen und Trockenheit

Doch nicht alles ist perfekt, wenn wir vom „Zentrum der Lust“ sprechen.

Trockenheit und Reizungen rund um die Schamlippen und die Klitoris (nicht nur vaginale Trockenheit) können häufig auftretende Probleme sein. Was sind die Ursachen?

Trockenheit entsteht meist durch zu häufiges Waschen der Vulva und die Verwendung aggressiver Seifen. Hinzu kommt: Konventionelle Menstruationsprodukte, die Plastik und schädliche Inhaltsstoffe enthalten, sind ein Problem – sie können Reizungen und Allergien auslösen.

Ein Tipp: Verzichte auf zu aggressive Seifen und setze auf Baumwollunterwäsche sowie Menstruationsprodukte aus Bio-Baumwolle.

Kurz gesagt…

Die Klitoris:

  • ist das einzige Organ des Körpers, dessen einzige Aufgabe es ist, Lust zu bereiten

  • altert nie

  • hat rund 8.000 Nervenenden – doppelt so viele wie der Penis

  • wurde erst 2009 zum ersten Mal in 3D dargestellt

  • kann bis zu 12 cm lang werden

  • verändert bei Stimulation ihre Größe und Farbe

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